Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/329/
Vergleich der Gallen- und Harnabsonderung. 
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gange an; die Blutgeschwindigkeit in Betracht zu ziehen, liegt zu¬ 
nächst kein Grund vor. 
Aber es entsteht schon eine gewisse Verlegenheit, wenn man 
das Verhalten der Blutcapillaren gegenüber einer arteriellen Druck¬ 
steigerung an anderen Orten des Körpers in Betracht zieht. Paschutin1 
hat unter Ludwig’s Leitung gezeigt, dass in den Capillaren der Vorder¬ 
extremität des Hundes keine merkliche Steigerung der Flüssigkeits- 
liltration (Lymphbildung) herbeigeführt werden kann, wenn man den 
Druck in ihnen durch Trennung des Plex. brachialis und gleichzeitige 
Bückenmarksreizung auch noch so hoch steigert. Dasselbe negative 
Ergebniss hat Emminghaus2 an der Hinterextremität des Hundes er¬ 
langt. Es sei ferner daran erinnert, dass ich an der Speicheldrüse 
(s. oben Abschnitt I) bei gleichzeitiger Reizung der Chorda und des 
Rückenmarkes nicht die geringste Vermehrung der Lymphbildung 
(bei atropinisirten Hunden) constatiren konnte, trotzdem dass der 
Druck in den Capillaren bei diesem Verfahren nahezu die Höhe des 
vollen, durch die Rückenmarksreizung enorm gesteigerten Carotiden- 
druckes erreichen muss. 
Es ist also mindestens keine allgemeine Eigenschaft 
der Capillaren, bei Steigerung des Druckes durch ver¬ 
mehrte arterielle Blutzufuhr grösseren Flüssigkeits¬ 
mengen durch ihre Wandung den Durchgang zu ge¬ 
statten. 
Sollen sich die Capillaren der Nierenknäuel anders verhalten, 
so müssen sie specifische Einrichtungen besitzen. Sie haben nun 
allerdings die besondere anatomische Eigenthümlichkeit, dass ihre 
Aussenfläche mit einer Epithelialschicht überkleidet ist. Allein diese 
kann, rein mechanisch betrachtet, offenbar die Widerstandsfähigkeit 
gegen den Filtrationsdruck nur steigern. Wissen wir doch aus den 
interessanten Beobachtungen Leber’s3 an der Hornhaut, dass diese 
ihre Fähigkeit, einem Filtrationsdrucke von 200 Mm. Quecksilber 
Widerstand zu leisten, nur der einfachen Epithellage der Descemet’- 
schen Membran verdankt, nach deren Abpinselung Flüssigkeit mit 
Leichtigkeit hindurch getrieben wird. Im lebenden Auge ist es allein 
jenes Epithel, welches das Hornhautgewebe vor dem Eindringen des 
Kammerwassers schützt; nach localer Entfernung der Zellen findet 
sofort Imbibition mit Humor aqueus statt. Es ist also aller Analogie 
nach nur zu erwarten, dass das Aussenepithel des Glomerulus die 
1 Paschutin, Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1S73. S. 95. 
2 Emminghaus, Ebenda. 1873. 26. Juli. 
3 Leber. Arch. f. Ophthalmologie. XIX. 2. S. 125.
        

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