Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/323/
Einfluss des Blutstromes auf die Absonderung. 
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rauf die Harnabsonderung ganz auf hörte. Hierher gehören auch Beob¬ 
achtungen von Jon. Müller1 2, welcher mit Peipers die Nierengefässe be¬ 
hufs Trennung sämmtlicher Nierennerven unterband und darauf die Li¬ 
gatur wieder löste. In den meisten Fällen hörte die Harnabsonderung’ 
ganz auf, nur in einem einzigen Falle dauerte sie fort und wurde blutig. 
— Wittich- sah nach Exstirpation der eigentlichen Drüsennerven (s. oben 
seine anatomische Beschreibung) weder bei Kaninchen noch bei Hunden 
Hämaturie und bei letzteren auch nicht Albuminurie auftreten. Lnzweifel- 
haft trat dagegen Albuminurie nach Zerreissung der die Arterie umspin¬ 
nenden Gefässnerven ein. 
Der Uebergang von Eiweiss und Blutfarbstoff in den Harn wird, wie 
es scheint, immer nur dann bemerkt, wenn bei der Nerventrennung durch 
Insultation der Gefässe gröbere Circulationsstörungen hervorgerufen wor¬ 
den sind. Wie zuerst M. Herrmann zeigte3, kann bei vorsichtigem Operiren 
die Trennung aller erreichbaren Nerven vorgenommen werden, ohne dass 
Eiweiss in dem Harn auftritt. Doch kommen allerdings auch in seinen 
Versuchen solche vor, in denen Albuminurie bald oder nach einiger Zeit 
sich zeigte. Da aber Knoll4 5 den Hundeharn mitunter von vornherein 
vor jeder Nerventrennung eiweisshaltig fand, ist auf die Beobachtungen, 
in denen nach der Trennung das Eiweiss fehlte, grösseres Gewicht zu legen. 
c. Reizung des Rückenmarkes: 
Wie die unmittelbare Reizung der Splanchnici, so hemmt auch 
Erregung des verlängerten Markes resp. Rückenmarkes, sei es elec- 
triscli', sei es durch Atlimungssuspension6, die Wasserabsonderung 
in der Niere vollständig: trotz des erheblichen Ansteigens des Aorten¬ 
druckes verringert sich der Blutzufluss zu den Gefässknäueln der 
Niere wegen nachweisbarer Verengerung der Art. renalis.7 8 Die Span¬ 
nungserhöhung in der Aorta pflanzt sich aber mit stark harntreibender 
Wirkung auf die Nierengefässe fort, wenn die Nierennerven getrennt 
sind. Ist dies einseitig geschehen, so fliesst auf dieser Seite bei den 
genannten Eingriffen der Harn schneller, während er andersseitig 
vollständig stockt (Grützner). 
Bekanntlich führt Injection von Strychnin in das Blut weit verbrei¬ 
tete Verengerung der Arterien mit consecutiver Steigerung des Aorten¬ 
druckes herbei.s Man durfte deshalb unter dem Einflüsse des Strychnin 
1 Joh. Müller, Handbuch der Physiologie. I. S. 384. 1844. — Peipers, De ner¬ 
vorum in secretiones actione. Diss. Berolini 1834. 
2 v. Wittich, Königsberger med. Jahrb. III. S. 52 u. fg. 1860. 
3 Max Herrmann, Sitzgsber. d. Wiener Acad. XLV. S. 319 u. fg. 1861. 
4 Knoll, Eckhard’s Beiträge. VI. S. 45. Vers. 4. 1872. 
5 Eckhard, Beiträge. V. S. 157. 1870. 
6 P. Grützner, Arch. f. d. ges. Physiol. XI. S. 377. 1875. 
7 Ludwig & Thiry, Sitzgsber. d. Wiener Acad. Math.-naturw. Cl. XLIX. S. 5. 
1864. — Grützner a. a. O. S. 379. 
8 S. Mayer, Sitzgsber. d. Wiener Acad. LXIV. 1871. 9. Nov. 
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