Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/283/
Verlauf der Harncanälchen. 
283 
Untersuchungen an, von welchen die Arbeiten von Ludwig und Zawary- 
kin, von Schweig Ger-Seidel und von Roth die oben dargelegte und heute 
allgemein angenommene Auffassung von dem Verlaufe der Harncanälchen 
und den Verbindungen ihrer einzelnen Abtheilungen unter einander be¬ 
gründeten h 
Doch sind einzelne Puncte noch controverser Natur. So behauptet 
Henle im Anschluss an seine erste Abhandlung auch noch in der letzten 
Ausgabe seiner Eingeweidelehre1 2 3, dass an der Peripherie der Niere je 
zwei Sammelröhren bogenförmig in einander übergehn; in diese Bogen 
senken sich die aus den Schaltstücken hervorgehenden Verbindungsca¬ 
nälchen theils von oben herab-, theils von unten heraufsteigend ein. Der¬ 
artige bogenförmige Anastomosen kommen, ein mir vorliegendes Injections- 
präparat von IIenle lässt darüber keinen Zweifel, in der That vor; ob 
sie aber das allgemeine Verhalten bilden, muss ich dahingestellt sein 
lassen. 
Ein andrer noch nicht in übereinstimmender Weise aufgeklärter Punkt 
betrifft den Uebergang der Tubuli contorti in die Marksubstanz. Nach 
Roth sollen die gewundenen Röhrchen in die Markstrahlen eintreten und 
in diesen in spiraligem Verlaufe zur Grenzschicht gelangen; Seraphima 
Schachowa 3 hat sich dieser Angabe angeschlossen. Ich sehe an dem 
untern Ende der Markstrahlen hier und da spiralige Canalstücke, welche 
aber den breiten aufsteigenden Schenkeln der Schleife angehören. Wäre 
es richtig, dass die Bahn aller Tubuli contorti durch die Markstrahlen 
führt, so müssten die letzteren überall an der Grenzschicht unter spitzen 
Winkeln zusammenstossen, was (s. o.) keineswegs der Fall ist. 
Endlich betrifft ein strittiger Punkt das Verhalten der engen Ver¬ 
bindungscanälchen zwischen den Schaltstücken und den ersten Zweigen 
der Sammelröhren. Nach Henle sollen dieselben netzförmig anastomo- 
siren, womit Chrzonsczewski einverstanden ist. Ich habe bei Isolationen, 
grade wie Ludwig, Schweigoer-Seidel u. A. nur negative Ergebnisse er¬ 
halten. 
3. Bau der Harncanälchen. 
Die Müller’sehe Kapsel besitzt eine structurlose, an ihrer 
Innenfläche mit einem platten Epithel ausgekleidete Membran, dessen 
Kern durch Carminfärbung, dessen Zellgrenzen durch Versilberung4 
1 C. Ludwig &Zawarykin, Ztsckr. f. rat. Med. (3) XX. S. 185. 1863. (Vorläufige 
Mittheilung) ; Sitzgsber. d. Wiener Acad. Math.-naturwiss. Abth. XLVHI. 1863. — 
F. Schweigger-Seidel. Allg. med. Centralztg. No. 53. 1863; Die Niere des Menschen 
und der Säugetbiere. Halle 1865. — M. Roth. Untersuchungen über die Drüsensub¬ 
stanz der Niere. Diss. Bern 1864. Auch in der Schweiz. Ztschr. f. Heilk. III. — Vgl. 
ausserdem die im Jahre 1863 erschienenen Lehrbücher von Kölliker (Handbuch 
der Gewebelehre. 4. Aufl.l. Frey (Microscop und microscopische Technik). Luschka 
(Anatomie des Menschen. II), sowie die Abhandlungen von Chrzonszczewski (Arch. f. 
pathol. An at. XXXI. 18(34), Colberg (Allg. med. Centralztg. 1863. No. 48 u. 49), Koll- 
mann (Ztschr. f. wissensch. Zoologie. XIV. 1864). 
2 J. Henle. Eingeweidelehre. S. 319. Braunschweig 1873. 
3 Seraphima Schachowa, Untersuchungen über die Nieren. Diss. S. 5. Bern 1876. 
4 M. Roth. Untersuchungen über die Drüsensubstanz der Niere. Tab. II. Fig. 7. 
Bern 1864.
        

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