Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/233/
Lie specifischen Gallenbestandtheile entstehen in tier Leber. 
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halten, um den Anforderungen des 2 4 ständigen Lebersecretes gerecht 
zu werden. 
2. Nach Exstirpation der Eeber häufen sich im Blute Gallenbestand¬ 
theile nicht an, wohl aber nach Unterbindung des Duct, choledochus. 
Da die Untersuchung normalen Blutes auf Gallensäuren kein 
vollständig vertrauenswerthes Resultat liefert, ist es erwünscht, den 
aus derselben hergenommenen Beweis für die Bildung der Gallen¬ 
bestandtheile in der Leber auf anderm Wege verstärkt zu sehen. 
Joh. Müller1 2, Kunde- und Moleschott3 exstirpirten Fröschen 
die Leber. War sie nur Excretions-, nicht Bereitungsstätte für die 
Gallenbestandtheile, so musste mit der Zeit eine Anhäufung derselben 
im Körper nachweisbar sein. Alle drei Beobachter erhielten negative 
Ergebnisse, trotzdem dass Moleschott’s Frösche die Operation zum 
Theil 15 — 21 Tage überlebten. Bemerkenswerth ist Kunde’s An¬ 
gabe, dass das alkoholische Blutextract entleberter Frösche grün 
war und der Abdampfrückstand desselben mit Salpetersäure roth 
wurde. Nach dieser Beobachtung meint Kunde, im Blute sei wahr¬ 
scheinlich ein Pigment — wenn schon nicht Gallenfarbstoff — vor¬ 
handen, welches durch die Leber continuirlich ausgeschieden werde. 
Füge ich den obigen Angaben hinzu, dass nach Unterbindung des 
Choledochus bei Fröschen, wie Dr. Köbner in meinem Institute 
fand, nach einigen Tagen Gallensäuren im Blute nachweisbar werden 
(was bei Säugethieren lange beobachtet, von Leyden4 5 aber bezüg¬ 
lich der Frösche bezweifelt worden ist), so scheint damit ein Beweis 
für die Bildung der Gallensäuren in der Leber gesichert. 
3. Pathologische Beobachtungen. 
Da es unmöglich ist, an Säugethieren Leber-Exstirpationen vor¬ 
zunehmen, werden für die Frage nach dem Bildungsorte der Gallen¬ 
bestandtheile Erkrankungen der Leber von Interesse, bei welchen 
die Absonderung derselben vollkommen aufgehoben ist, ohne dass 
eine Anhäufung von Gallenbestandtheilen im Blute oder ein Ueber- 
gang derselben in den Harn stattfindet. 
So berichtet Frerichs einen Fall von hochgradiger Fettleber, in 
welchem zum Beweise gänzlicher Störung der Secretion der Darminhalt 
1 Joh. Müller. Lehrbuch der Physiologie. 4. Aufl. I. S. 131. 1S44. 
2 Kunde, De hepatis ranarum exstirpatione. Berolini 1850. 
3 J. Moleschott. Yierordt’s Arch. f. physiol. Heilkunde. XL S. 479. 1852. 
4 E. Leyden. Pathologie des Icterus. S. 19. Berlin 1800. 
5 Frerich-, Klinik der Leberkrankheiten. I. S. 80. Braunschweig: 1858. 
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