Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/178/
1 7 S Heidexhain, Physiol, cl. Absonderungsvorgänge. 4. Absehn. Bauchspeicheldrüse. 
Peilung des eröffneten Ganges an die Bauchwand; 3. Ausschaltung 
des Darmstückes, in welches der Pankreasgang einmündet, aus der 
Continuität des Darmes und Vorlagerung desselben vor die Bauch¬ 
wand. 
Wennschon bereits im Jahre 1S64 durch Regnier de.Graaf die erste 
Pankreasfistel an einem lebenden Hunde angelegt und dieser Versuch im 
16. und 17. Jahrhundert öfters wiederholt wurde1, so sind conséquente 
und methodische Fistelbeobachtungen doch erst von Cl. Bernard2 3 ange¬ 
stellt worden. Die Mehrzahl der spätem Arbeiten bezieht sich nicht so¬ 
wohl auf die Erforschung des Absonderungsvorganges, als auf die Unter¬ 
suchung der verdauenden Wirkungen des Pankreassaftes. Die den ersteren 
Gegenstand behandelnden Arbeiten werden später an betreffender Stelle 
aufgeführt werden. 
Für den Erfolg der Fisteloperation ist die Art des Verfahrens von 
wesentlichem Belang. 1. Behufs Fixirung einer Caniilc in dem Gange 
wird bei dem seit 36 Stunden nüchternen und gut morphisirten Hunde 
durch einen in der Mitte zwischen Proc. xiphoideus und Nabel in der 
Linea alba ausgeführten Längsschnitt der absteigende Theil des Zwölf¬ 
fingerdarms so weit hervorgezogen, dass man das anliegende Pankreas¬ 
stück zu Gesicht bekommt. Den Gang zu finden, dient folgendes Merk¬ 
zeichen : Wo der untere Lappen des Pancreas sich von der nach links 
gewandten concaven Seite des Duodenum entfernt, um sich weiter in das 
Mesenterium zurückzuziehen, so dass zwischen Darm und Drüse eine durch¬ 
sichtige Mesenterialbrücke sich ausspannt, geht in die letztere constant 
eine dicke Darmvene hinein. Oberhalb derselben liegt das Pankreas dem 
Darme unmittelbar an; zwischen beiden sind in geringem Abstande grö¬ 
bere Gefässbiindel ausgespannt. Die Mündung des Ganges liegt in der 
Regel zwischen dem ersten und zweiten. seltner zwischen dem zweiten 
und dritten Gefässbiindel, im ungünstigen Falle von einem der Bündel be¬ 
deckt. Die Länge des Ganges von der Drüse bis zum Darme beträgt nur 
wenige Millimeter. Mittelst carbolisirter Seide wird eine kurze geknöpfte 
Glascanüle von 6—S Mm. Länge eingebunden, an deren freiem Ende ein 
Stück dickwandigen, aber nicht zu breiten Gummischlauches befestigt ist. 
Der Darm wird durch zwei lockere, ober- und unterhalb des Ganges um 
ihn herumgeführte Fadenschlingen provisorisch an der Bauchwand fixirt, 
um ihn zur Verlöthung mit derselben zu bringen, und darauf die Bauch- 
wunde so weit geschlossen, dass nur für die nach aussen zu leitende Ca- 
nüle knapper Raum übrig bleibt. Die Darmfäden werden nach 24 Stun¬ 
den, die Wundnähte nach 36—48 Stunden entfernt. Fast ausnahmslos 
fällt nach einigen Tagen die Caniile heraus. — 2. Bei der zweiten von 
Ludwig mit seinen Schülern Weinmann5 und Bernstein4 ausgebildeten 
1 Alle jene vereinzelten Versuche sind für die Frage nach dem Absonde- 
rungsvorgange ohne Bedeutung; eine Zusammenstellung findet sich bei Tiedemann 
& Gmelin : Die Verdauung nach Versuchen. I. S. 26. Leipzig und Heidelberg 1826. 
2 Cl. Bernard. Mémoire sur le pancreas et sur le rôle du suc pancréatique. 
Paris 1S56; Leçons de physiologie experimentale. II. p. 170. Paris 1856; Leçons sur 
les propriétés des liquides de l’organisme. II p. 341. Paris 1859. 
3 Weinmann, Ztschr. f. rat. Med. N. F. IIP S. 248. 1853. 
4 Bernstein, Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. Math.-phys. Cl. 1869. S. 97.
        

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