Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/175/
Bau der secernirenden Zellen. 
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moniak (5%) werden die Linien unter der Form sichtbar, wie sie 
Fig. 45 zeigt. Bei noch weiter fortgeschrittener Einwirkung des 
Reagens löst sich allmählich die Grundsubstanz der homogenen Zone 
auf und zwar in der Regel früher, als die Körnerzone. Die Körnchen 
der letzteren bilden in der Regel noch einen compacten Haufen, aus 
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dessen bei natürlicher Lage der Zellen nach Aussen gerichtetem Um- 
fange feine Fädehen hervorragen, allenfalls noch 
durch geringe Reste der Grundsubstanz zusam- 45 
mengehalten. Endlich zerfallen die Zellen voll- 
ständig und Fragmente jener fadenartigen Bil¬ 
dungen schwimmen in Menge frei umher (vgl. 
die Fig. 45). Leber die Bedeutung derselben ver¬ 
mag ich Sicheres nicht auszusagen. Wenn ich 
aber überlege, dass nicht selten aus der Körner¬ 
zone äusserst feine Reihen von Körnchen in die 
homogene Zone hineinragen, welche die genauen 
Fortsetzungen der in dieser sichtbaren Körnchen 
bilden, so möchte ich fast vermuthen, dass es 
sich um sehr feine Röhrchen handelt, welche die Grundsubstanz der 
Zelle durchsetzen und in denen die reihenförmig geordneten Körn- 
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Fig 45. ZeUen des Pancreas 
nach Maceration in neutra¬ 
lem chromsaurem Ammoniak. 
a.Padenartige Bildungen der 
Aussenzone. b und c diesel¬ 
ben isolirt. 
dien liegen. — 
Diese Deutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit durch Beobachtungen 
über die Einwirkung von Wärme und von starken electrischen Strömen 
auf die Zellen. Wird ein ganz frisches, einem eben erst getödteten Thiere 
entnommenes Präparat des Pankreas auf dem heizbaren Objecttische 
Steicker’s untersucht, so tritt, wenn das Thermometer auf ungefähr 50" C. 
gestiegen ist, an der bis dahin hell durchsichtigen Aussenzone eine schwer 
beschreibbare Veränderung auf. Ihre Durchsichtigkeit nimmt ab, indem 
theils sehr feine Trübung, theils verwaschene, wachsglänzende Flecke 
sichtbar werden. Dabei verschiebt sich die Grenze beider Zonen auf 
merkwürdige Weise. Aus der Innenzone dringen Reihen von Körnchen 
stralilig mehr oder weniger weit in die Aussenzone vor. Gleichzeitig zieht 
sich der Aussenrand der Zellen von der Schlauchmembran zurück. Beim 
Abktihlen des Präparates werden alle jene Veränderungen wieder rück¬ 
gängig. Was auch der Grund dieser Erscheinungen sei, der Umstand, 
dass die Körnchen der Innenzone sich auf geraden Linien nach aussen 
bewegen, weist auf geringe Widerstände innerhalb dieser Bahnen hin. 
Sollten die Strassen nicht in den oben beschriebenen fadenartigen Bil¬ 
dungen gegeben sein ? 
Das microchemische Verhalten der Zellen anlangend, so schwillt 
in Wasser die Aussenzone schnell auf, während der grösste Theil 
der Körnchen der Innenzone erblasst. Noch schneller werden die 
Zellen bei Behandlung mit selbst sehr verdünnten Alcalien (Kali¬ 
oder Natronlauge von 0,1 ° o) gelöst. Das augenblickliche Verschwin-
        

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