Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/129/
Schätzung des Pepsingehaltes der Magenschleimhaut. 
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erschwert, dass das Pepsin in der Magenschleimhaut sich in zwei 
verschiednen Zuständen befindet: ein gewisser Antheil desselben geht 
schnell in die zur Lösung angewandten Flüssigkeiten über, ein andrer 
Antheil langsam und nur sehr allmälig. Auf dem letzteren Um¬ 
stande beruht es, dass, wie schon Brücke1 2 bemerkte, eine Magen¬ 
schleimhaut, die oft hinter einander bis zu vollständigem Zerfall ihrer 
Elemente mit immer neuen Mengen verdünnter Salzsäure ausgezogen 
wird, an die letztere wieder und wieder Pepsin abgiebt, oder, wie 
Schiff 2 gesehen, dass ein salzsaures Infus der Schleimhaut lange 
Zeit, selbst Wochen hindurch, an Pepsin immer reicher und reicher 
wird, wenn man grosse Flüssigkeitsmengen zur Extraction anwendet. 
Untersuchungen von Ebstein und Gkützner3 haben nachge¬ 
wiesen, dass der schwer lösliche Antheil des Pepsin in den Magen¬ 
drüsen nicht frei, sondern an eine andre Substanz, wahrscheinlich 
an ein Albuminat, gebunden ist, — eine Verbindung, die sie als 
pepsinogene Substanz bezeichnen, Schiff Propepsin benennt. 
Für die Existenz einer derartigen Verbindung sprechen hauptsächlich 
folgende Gründe: 
1) Lässt man auf eine getrocknete und zerkleinerte Magenschleim¬ 
haut (vom Fundus oder Pylorus) Glycerin einwirken, so gewinnt man ohne 
Weiteres aus derselben stets weniger Pepsin, als wenn der Glycerinex¬ 
traction eine Behandlung mit einprocentiger Kochsalzlösung oder 0.2 pro- 
centiger Salzsäure vorausging. Die Ursache hiervon liegt nicht darin, 
dass das Glycerin für sich nur ein enge begrenztes Lösungsvermögen für 
Pepsin besitzt, denn der Pepsingehalt des infundirten Glycerins steigt mit 
der Menge der benutzten Schleimhaut in schnellem Verhältniss. Der 
Grund muss vielmehr darin gesucht werden, dass nur ein Tlieil des Pepsin 
in Glycerin leicht löslich ist, ein andrer erst durch Zusatz von Kochsalz 
oder Salzsäure löslich gemacht wird, indem die letzteren Substanzen das 
Pepsin von einem andern Körper abspalten, das Salz weniger vollständig, 
die Säure vollständiger. 
2) Ein wässriges Extract der Magenschleimhaut wird filtrirt und bei 
40 0 C. zur Trockne eingedampft. Der Rückstand, vollständig in Glycerin 
gelöst, ist weniger pepsinreich, als nach Lösung in einer gleichen Menge 
verdünnter Salzsäure. Es muss also der Abdampfrückstand des Wasser- 
extractes neben freiem Pepsin eine Substanz enthalten, welche erst bei 
Behandlung mit Salzsäure, aber nicht bei einfacher Lösung in Glycerin, 
freies Pepsin liefert. Aehnliches gilt, wenn man das Schleimhautextract 
nicht mit Wasser, sondern mit Kochsalzlösung von 1 •% bereitet. 
Die Umsetzung der pepsinogenen Substanz (Propepsin) scheint nach 
Schiff durch kohlensaures Natron in anderthalbprocentiger Lösung ver¬ 
hindert zu werden. 
1 Brücke, Vorlesungen. 1. Aufl. T. S. 2S7. 1874. 
2 Schiff. Arch. d. sc. phys. et nat. 1877. 
3 Ebstein X Grützxer. Arch. f. d. ges. Physiol. VIII. S. 122. 1874. 
Handbuch der Physiologie. Bd. V. 9
        

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