Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/124/
124 Heidenhain, Physiologie der Absonderungsvorgänge. 2. Abschn. Der Magen. 
worden ist, so löst es sich in 1 — 1 f 2 Stunden. Sclileimhantstiicke der 
Pylorusgegend bewirken die Lösung erst in 6—8 Stunden. 
Endlich gelingt es sehr schwer, die klein geschnittene P. glandulosa 
durch anhaltende Behandlung mit Wasser von allem Pepsin zu befreien; 
die übrige Schleimhaut Misst schon durch 3—4maliges Auswaschen mit 
Wasser ihr Pepsin ein, was zu dem Schlüsse führt, dass das Pepsin 
hier nur durch Imbibition aufgenommen ist. 
Wassmaxx folgerte aus diesen drei Beobachtungen, dass der „drüsige“ 
Theil der Schleimhaut, wo nicht die einzige, so doch die hauptsächlichste 
Quelle des Pepsin sei. Da sich bei Wiederholungen seiner Versuche 1 
stets ähnliche Resultate in Bezug auf das Verdauungsvermögen der Fun¬ 
dus- und der Pylorusschleimhaut ergaben, wurde die Ansicht zu einer 
allgemeinen und unangefochtenen, dass die Pepsinbildung ausschliesslich 
den „Labzellen“ der Fundusdrüsen zukomme. Der etwaigen functionellen 
Bedeutung der Pylorusdrüsen wurde kaum ausdrücklich gedacht; man 
sah sie stillschweigend als einfache Fortsetzungen des Schleim bereiten¬ 
den Oberflächenepithels an. 
So blieben die Vorstellungen, bis Rollet's und meine Arbeiten über 
den Bau der Labdrüsen durch die Entdeckung des constanten Vorkommens 
zweier verschiedner Zellenarten in den Fundusdrüsen und der von mir 
gelieferte Nachweis bestimmter typischer Veränderungen der Hauptzellen 
während des Ablaufes einer Verdauungsperiode von Neuem die Frage 
nach dem Sitze der Pepsinbildung anregten. Auf Grund einiger vor¬ 
läufiger Beobachtungen sprach ich mit allem Vorbehalte die Vermuthung 
aus, die Hauptzellen möchten die Pepsinbildner, die Belegzellen die Säure¬ 
bildner des Magensaftes sein. Die experimentelle Prüfung dieser Frage 
hat zu einer fast zu grossen Zahl von Arbeiten geführt, die nicht sowohl 
in ihren tliatsächlichen Ergebnissen, als in ihren Schlüssen oft einander 
widersprechen. In dem Folgenden ist es meine Aufgabe, eine Darstellung 
des heutigen Standes der vorliegenden Streitfrage zu geben. Wem meine 
Auseinandersetzung zu ausführlich erscheinen sollte, den bitte ich in Er¬ 
wägung zu ziehen, dass das vorliegende Lehrbuch ganz wesentlich die 
Aufgabe hat, den augenblicklichen Stand unsrer Kenntnisse in den ver- 
schiednen Abschnitten der Physiologie möglichst ausführlich zu skizziren, 
und dass diese Aufgabe eine um so eingehendere Behandlung erheischt, je 
mehr die einzelnen Fragen sich in dem Stadium der Discussion befinden. 
Das Für und Wider knüpft sich in dem vorliegenden Falle zum guten 
Theile an die angewandten Untersuchungsmethoden, weshalb ich auch 
von einer Erörterung der letzteren nicht Umgang nehmen darf. 
2. Quantitative Schätzung des Pepsingehaltes in Lösungen. 
Da eine quantitative Bestimmung gelösten Pepsins an der Un¬ 
möglichkeit seiner vollständigen Reindarstellung scheitert , ist man 
auf blosse Schätzung des relativen Gehaltes an dem Fermente ver- 
1 Vgl. Köllikeb (und Goll) , Microscopische Anatomie. II. (2) S. 146. 1S54. — 
Donders, Lehrbuch der Physiologie. Deutsch von Theile. I. S. 205. 1856. — Schiff, 
Leçons sur la physiologie delà digestion. IL p. 287. 1867.
        

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