Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie der Absonderungsvorgänge
Person:
Heidenhain, R. B. Luchsinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit37391/112/
112 Heidenhain, Physiologie der Absonderungsvorgänge. 2. Abschn. Der Magen. 
angetroffen. Aehnliche Fälle sind auch von Beaux1 beobachtet wor¬ 
den. Hiermit in Uebereinstimmung* ist die Erfahrung von Grützner, 
dass, wenn Hunde 60 bis 70 Stunden lang fasten, der Pepsingehalt 
der Magenschleimhaut unter Eintritt von Absonderung sinkt.2 
Rollet3 ist geneigt, die geringgradige Absonderung, welche auch 
er nicht selten bei frischgetödteten hungernden Hunden vorfand, von einer 
Reizung der Magenschleimhaut durch verschluckten Speichel abzuleiten. 
Allein ich habe an Magenfistel-Hunden die Ueberzeugung nicht gewinnen 
können, dass Speichel, der in Berührung mit der Magenoberfläche gelangt, 
eine merkliche Absonderung anregt. 
Bei Hunden, die mit einer Fistelcaniile versehen sind, fand ich mit¬ 
unter, trotz 24 ständigen Hungerns, in dem Magen sehr grosse Mengen 
säuern Saftes vor. Eine ergiebige Absonderung hat immer ungewöhn¬ 
liche Gründe. In einzelnen Fällen gaben Spulwürmer, die sich in den 
Ma gen verirrt hatten, in andern gab die Caniile selbst zu mechanischen 
Reizungen Veranlassung, indem sie, bei unzweckmässiger Entfernung der 
Innen- und Aussenplatte von einander, die Schleimhaut mechanisch irri- 
tirte. — 
Braun 4, welcher längere Beobachtungsreihen über die Magensaft- 
absomPrung an Fistelhunden anstellte, geht jedenfalls zu weit, wenn er, 
mit Spallanzani, dieselbe für eine continuirliche, ähnlich der Secretion 
der Niere hält. Er ermittelte die Secretionsgrösse im nüchternen Zu¬ 
stande und bei Einwirkungen verschiedener Art auf die Magenschleim¬ 
haut, indem er durch die Fistelöffnung Schwämme in den Magen ein¬ 
führte und die imbibirte Flüssigkeit von Zeit zu Zeit auspresste. Es ist 
unzweifelhaft, dass ein Schwamm auf die Magenschleimhaut als ein sehr 
starker Reiz wirkt. Lässt man Hunde Schwammstückchen verschlucken, 
so ist nach einigen Stunden die Schleimhaut an allen Stellen, welche mit 
den Fremdkörpern in Berührung sich befinden, stark geröthet und die 
Drüsen zeigen microscopisch alle Kennzeichen intensivster Thätigkeit. Im 
Gegensätze zu Braun kann man sich an Fisteln mit isolirtem Fundus¬ 
blindsacke auf das Positivste überzeugen, dass während des nüchternen 
Zustandes die Absonderung ganz stockt oder doch nur spurweise vor¬ 
handen ist. 
Wenn also auch unter Umständen geringgradige Absonderung 
bei leerem Magen stattfinden kann, so ist diese jedenfalls unbeträcht¬ 
lich gegen die erhebliche Secretion während der Verdauung. Schon 
das blosse Aussehen der Magenschleimhaut zeigt augenscheinlich, wie 
grosse Veränderungen mit dem sekretorischen Apparate nach der In¬ 
gestion von Speisen vor sich gehen. Im nüchternen Zustande er- 
1 Braun. Eckliard’s Beitr. z. Anat. u. Physiol. VIL S. 29. Giessen 1876. 
2 Grützner. Neue Untersuchungen über Bildung und Ausscheidung des Pepsin. 
S. 61. Breslau 1875. 
3 Rollet, Untersuchungen aus dem Institute für Physiologie und Histologie in 
Graz. Heft II. S. 168. 1871. 
4 Braun. Eckhard’s Beitr. z. Anat. u. Physiol. VII. 1876.
        

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