Bauhaus-Universität Weimar

2. Cap. Die Eigenwärme. Einfluss höherer Temperaturen. 
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steigt, wenn man in ein kaltes Bad geht, kann an dieser feststehen¬ 
den Thatsache, von welcher ja auch bei der jetzt so verbreiteten 
Kaltwasserbehandlung bei Typhus und anderen fieberhaften Krank¬ 
heiten Gebrauch gemacht wird, nichts ändern. Die Bedeutung der 
LiEBERMEiSTER’schen Beobachtung werden wir gleichfalls später zu 
besprechen haben. 
Kleinere Thiere zeigen noch beträchtlichere Schwankungen ihrer 
Eigenwärme, besonders wenn sie, wie bei Vivisectionen, gefesselt 
sind. Können sie sich frei bewegen, so sind die Schwankungen ge¬ 
ringer. So bleibt nach meinen Beobachtungen die Eigenwärme freier 
Kaninchen unverändert zwischen 11° und 32ü, während gefesselte 
schon bei Temperaturen von 20" merkbar abkühlen. 
XIII. Einfluss höherer Temperaturen. 
Steigt die Lufttemperatur über 37°, so ist eine Zunahme der 
Eigenwärme in der Kegel vorhanden und nur dann nicht, oder doch 
nur in geringem Grade vorhanden, wenn der Körper durch starke 
Schweissabsonderung und Verdunstung derselben sich noch hin¬ 
reichend abkühlen kann. Ja für kürzere Zeit kann der Mensch so¬ 
gar in Luft von ausserordentlich hoher Temperatur aushalten (vor-' 
ausgesetzt dass diese trocken ist), ohne dass seine Eigenwärme merk¬ 
lich steigt. 
Boerhave war der Ansicht, dass kein mit Lungen athmendes 
Thier in einer Umgebung, die höher temperirt ist als sein eigener 
Körper, leben könne. Dies wurde auch durch Versuche bestätigt, 
welche Provoost und Fahrenheit auf Boerhave’s Veranlassung 
unternahmen; sie sahen einen Hund, eine Katze, einen Sperling in 
einem Ofen von ungefähr 63" binnen wenigen Minuten sterben.1 
Gegen die Richtigkeit dieses Satzes sprachen aber die Beobachtung 
verschiedener Reisender (Lining, Adanson, Martin, Barker, Mungo 
Park, Ouselay) an verschiedenen sehr heissen Orten in Süd-Caro- 
lina, am Senegal u. s. w. Haller- bekämpfte daher die Lehre Boer¬ 
have’s und stellte den Satz auf, das Leben könne bestehen in Tem¬ 
peraturen, welche die Blutwärme um 17° und mehr übersteigen. Im 
Jahre 1758 machte G. Ellis3 die wichtige Beobachtung, dass bei 
einer Temperatur von 105° F. im Schatten (in Süd-Carolina) das 
Thermometer auf 97° F. sank, wenn er es an seinen Körper an- 
1 Boerhave, Praelect. anat. p. 211 ; Eiern, chemiae. I. p. 148. 
2 Haller, Elementa physiol. II. p. 37. 
3 Ellis, Philos. Transact. L. p. 755.
        

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