Bauhaus-Universität Weimar

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Rosenthal, Die Physiologie der thierischen Wärme. 
die Ursache der Wärmeproduction sein könne, und dass die Wärme¬ 
bildung nach Abtragung des Gehirns auf höre. Und in dieser Ansicht 
wird er bestärkt, weil die Thiere auch bei Vergiftung mit narkoti¬ 
schen Giften (Opium, Woorara), durch welche er die Gehirnthätigkeit 
ausgeschaltet zu haben glaubt, schneller erkalten, weil sie, wie er 
annimmt, dann keine Wärme mehr bilden. 
Wenn man bedenkt, dass die Abtragung des Gehirns mitsammt 
der Medulla oblongata zu einer bedeutenden Ueberfüllung der äus¬ 
seren Körpertheile mit Blut und dadurch, trotz der verlangsamten 
Blutströmung, zu einer vermehrten Wärmeabgabe führt, so erklären 
sich die BRODiE’schen Versuche wohl hinlänglich. In dieser Weise 
wird auch von neueren Schriftstellern die Abnahme der Temperatur 
nach Rückenmarksdurchschneidung allgemein aufgefasst. Man pflegt 
diese Durchschneidung, um die Athmung nicht aufzuheben, unter¬ 
halb des 6. Halswirbels vorzunehmen. In dieser Form haben wir 
den Versuch schon im Capitel IV als Beweis für die Bedeutung der 
Hautcirculation für die Wärmeregulirung aufgeführt. Aber wir haben 
zugleich darauf hingewiesen, dass die dadurch bewirkte Lähmung 
eines grossen Muskelgebiets möglicherweise doch eine Verminderung 
der Wärmeproduction veranlassen kann. Ob dies in dem Sinne von 
Pflüger so aufzufassen ist, dass die Muskeln auch bei scheinbarer 
Ruhe fortwährend Wärme produciren, so lange sie unter dem Ein¬ 
fluss des Gehirns stehen, oder ob dies nur gelegentlich sichtbarer 
Muskelbewegungen geschieht, lässt sich nach den vorliegenden That- 
sachen nicht entscheiden. 
Die Versuche Brodie’s wurden vielfach wiederholt und ihrem 
thatsächlichen Inhalt nach wohl theilweise bestätigt, so von Chossat1, 
Hale'2, Legallois3, Wilson Philipp4, Williams5. Doch schwanken 
die Angaben über den Einfluss der künstlichen Athmung, indem die 
Abkühlung der Thiere je nach der Stärke der künstlichen Athmung 
verschieden ausfiel. So sah Hale langsamere Abkühlung nach Rücken¬ 
marksdurchschneidung, wenn künstliche Athmung unterhalten wurde. 
Und Williams konnte sogar bei geköpften Thieren, die schon zu 
erkalten angefangen hatten, einige Male die Temperatur durch die 
künstliche Athmung wieder heben. Auch diese Erfolge können wir 
jetzt nach den Erfahrungen, welche Heidenhain mit der Athmungs- 
1 Chossat, Meckel’s Arch. VIL S. 282. 
2 Hale, London med. and phys. Journ. XXII. — Meckel’s Arch. III. S. 429. 
3 Legallois, Ann. d. chim. et d. phys. IY. 1817 ; Meckel’s Arch. III. S. 436. 
4 Philipp, Untersuchungen über die Gesetze d. Functionen d. Lebens. Uebers. 
v. Sonthelmer. Stuttgart 1822. 
5 Williams, Froriep's Notizen. 1836. S. 4.
        

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