Bauhaus-Universität Weimar

408 Rosenthal, Die Physiologie der thierischen Wärme. 
auf Rechnung- der Strahlung und Leitung, wie viel auf Rechnung 
der Verdunstung zu setzen ist. Der letztere Factor spielt aber bei 
den Thieren offenbar eine viel kleinere Rolle als beim Menschen, 
hauptsächlich weil wegen der Behaarung eine schnelle und starke 
Verdunstung ergossenen Schweisses auch bei trockener Luft nicht 
statttinden kann. Und wirklich ist eine lebhafte Schweisssecretion 
bei Thieren auch nur an unbehaarten Stellen (Zehenballen u. s. w.) 
nachgewiesen.1 In Uebereinstimmung damit zeigten meine Versuche 
an Thieren in warmer Luft fast gar keinen Unterschied des Ver¬ 
haltens, gleichgültig ob die Luft trocken oder ob sie mit Wasser¬ 
dampf gesättigt war, während dieser Umstand beim Menschen von 
sehr erheblicher Bedeutung ist. Es ist aber ausserordentlich schwer, 
den Antheil der Abkühlung durch Verdunstung zu bestimmen, da er 
nicht nur von der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalt der um¬ 
gebenden Luft, sondern auch von ihrer Bewegung abhängt, welche 
die Menge der mit der Körperoberfläche in der Zeiteinheit in Be¬ 
rührung kommenden Luft bedingt. Um den Einfluss der Verdunstung 
ungefähr zu bestimmen, hat Helmholtz2 eine Tabelle berechnet, in 
welcher die Wärmeeinheiten angegeben sind, die ein Luftvolum, ent¬ 
sprechend dem von 1 grm bei 760 mm Druck und 0° aufnehmen 
muss, um bis 37° erwärmt zu werden, mit Verdunstung bis zur Sät¬ 
tigung (A) und ohne dieselbe (B). Die Dunstmenge, welche in der 
Atmosphäre schon vorhanden ist, ist angegeben in Procenten der 
zur Sättigung nothwendigen. 
Temperatur 
der 
Atmosphäre 
A 
bei einem Feuchtigkeitsgehalt von 
50 ! 70 | 90 | 100 
B 
Ohne 
V erdunstung 
35 
11,6 
8,0 
4,3 
2.4 
0,5 
30 
15,0 
12,1 
93 
7,9 
1.7. 
25 
17,9 
15.8 
13,6 
12,5 
2,9 
20 
20.5 
18,9 
17,3 
16,5 
4,2 
15 
22.9 
21,7 
20,5 
19,9 
5.6 
10 
25,1 
24,2 
23,3 
22,9 
6,9 
5 
27,2 
26,5 
25,9 
25,5 
7,4 
0 
29.1 
28,6 
28,2 
28,0 
9,9 
Es geht aus der Tabelle hervor, dass namentlich bei höheren 
Temperaturen die Abkühlung durch Verdunstung die durch Erwär¬ 
mung der Luft bedeutend überwiegt. Bei einer Umgebungswärme 
1 Vgl. hierüber den Abschnitt Schweisssecretion. V. 1. S. 421 ff. 
2 Helmholtz, a. a. O. S. 566.
        

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