Bauhaus-Universität Weimar

390 Rosenthal. Die Physiologie der thierischen Wärme. 
beweiskräftig anselien können, so gilt dies dock nicht von den Ver¬ 
suchen Colin’s1, welcher ebenso wie Bernard die Thermometer 
durch die Gefässe einführte und dabei die Temperatur 21 mal in 
beiden Ventrikeln gleich, 31 mal im rechten Ventrikel höher und 
50 mal im linken Ventrikel höher fand. Auch Jacobson2, der in 
Gemeinschaft mit Bernhardt Versuche mit Thermonadeln anstellte, 
welche sie durch die Intercostalräume direct in die Ventrikel ein¬ 
führten, fand die Temperatur in 17 fehlerfreien Experimenten 2 mal 
gleich und 15 mal im linken Ventrikel um 0°, 1—0°,4 höher. 
Körner und Heidenhain3 4 fanden nun zwar wiederum fast immer 
die Temperatur des linken Ventrikels niedriger. Die Differenz lag 
meist zwischen 0°, 1 und 0°,3 und war zuweilen 0°,5—0°,6; nur in 
einem Falle war sie negativ. Die Athmung war aber ohne allen 
Einfluss auf die Differenz, denn sie blieb dieselbe, wenn künstliche 
Athmung mit gewöhnlicher oder auch mit warmer und mit Wasser¬ 
dampf gesättigter Luft eingeleitet wurde. Wurde bei curarisirten 
Thieren die künstliche Athmung ausgesetzt, dann sank die Tempe¬ 
ratur rapide in beiden Herzhälften, und die Unterschiede zwischen 
beiden wurden geringer. Auch ist das Lungengewebe nicht kälter 
als das arterielle Blut, was doch der Fall sein müsste, wenn das 
Blut bei seinem schnellen Durchströmen um mehrere Zehntel Grade 
abgekühlt sein sollte. Vielmehr ist der ganze untere Theil der Lunge 
wärmer, nur der oberste Theil um etwas (0°,1—0°,2) kälter und die 
mittleren Partien gleich warm wie das Blut im linken Herzen. 
Aus alle dem folgt, dass die abkühlende Wirkung der Lunge 
leicht überschätzt wird, und dass die geringere Wärme des Blutes 
im linken Ventrikel noch einen anderen Grund haben muss. Und 
diesen Grund findet Heidenhain in der Wärme der Ventrikel wand 
und der benachbarten Organe der Bauchhöhle, besonders der Leber, 
welche dem rechten Ventrikel Wärme zuführen, während der linke 
Ventrikel rings von Lungengewebe umgeben und mehr der Abküh¬ 
lung ausgesetzt ist. 
Zweifellos entwickelt auch der Herzmuskel bei seiner fortwäh¬ 
renden Thätigkeit Wärme und zwar der linke Ventrikel wegen seiner 
grösseren Wanddicke mehr als der rechte. Wenn die Wandwärme bei 
Einführung von Thermonadeln durch die Brust- und Herzwand, wie 
sie in Jacobson’s Versuchen stattfand, sich in den gut leitenden 
2 Colin, Ann. d. scienc. natur. zool. (5) VII. p. 83. 1867. 
3 Jacobson, Centralbl. f. d. med. Wiss. 1868. S. 643; Arch. f. pathol. Anat. LI. 
S.275. 
4 Körner, Beiträge zur Temperaturtopographie des Säugethierkörpers. Diss. 
Breslau 1871. — Heidenhain, Arch. f. d. ges. Physiol. IV. S. 558.
        

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