Bauhaus-Universität Weimar

Über die Quelle des Thiosulfates im Kaninchenharn. 101 
Diese Idee liegt nicht so fern, wie es anfänglich scheint. 
Durch meine alten Versuche über das Verhalten des Taurins 
im Organismus ist festgestellt, daß die SOsH-Gruppe des Tau¬ 
rins im Darmkanal des Kaninchens zum Teil zu Thiosulfat, 
das im Harn erscheint, reduziert wird. Daß diese Reduktion 
im Darmkanal durch die in ihm stattfindenden Fäulnisvorgänge 
des Eiweißes — vielleicht auch Büttersäuregärung der Kohlen¬ 
hydrate — erfolgt, kann nicht zweifelhaft sein, da bei subcu- 
taner Einverleibung des Taurins Thiosulfatbildung nicht ein- 
tritt. Damit steht auch in Übereinstimmung, daß sie beim Hund 
auch bei innerlicher Verabreichung des Taurins ausbleibt. 
Zu den Versuchen mit Natriumsulfat diente ein Kaninchen 
von 2550 g Körpergewicht. Das Futter bestand an allen Tagen 
aus 600 g Mohrrüben, die stets vollständig aufgefressen wurden. 
Am 18. und 19. bekam das Tier nur Mohrrüben, am 20. außer- • 
dem 15 ccm Normalschwefelsäure mit NatCOs neutralisiert, am 
21. und 22. je 20 ccm, gleichfalls neutralisiert. Da mir der 
Kohlauszug reicher an Zucker zu sein schien, wie der Mohr¬ 
rübenauszug, so wurden an Natriumsulfattagen noch 10 g Trauben¬ 
zucker gegeben. 
Der Harn wurde in der üblichen Weise gesammelt, mit 
Essigsäure angesäuert, gemessen, dann in Glasstöpselflaschen 
filtriert und in diesen aufbewahrt. Seine Quantität betrug am 
18. 480ccm; am 19. 620 ccm; am 20. 480ccm;.am 21..580ccm; 
am 22. 550 ccm. 
Die Konservierung des Harns durch die Essigsäure er¬ 
möglichte es, wiederholt Serienversuche über das Verhalten 
der Harne zu Silbernitratlösung anzustellen. Hierbei zeigte sich 
nun eine wesentliche Differenz in dem Verhalten des Harns am 
18. und 19. im Gegensatz zu dem am 20., mehr aber noch zu 
dem am 21. und 22. Die letzteren Harne verhielten sich so, 
wie ich es oben für einen sehr geringen Gehalt an Thiosul¬ 
fat beschrieben habe, also deutliche Gelbfärbung beim Stehen¬ 
lassen, schwärzliche resp. Graufärbung des Chlorsilbers nach 
der Einwirkung der Salpetersäure, während das Chlorsilber 
in dem Harn am 18. und 19. weiß oder fast ganz weiß er¬ 
schien.
        

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