Bauhaus-Universität Weimar

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Max Gonnermann, 
darin neben dem in allen Lehrbüchern angeführten Kalk auch 
Kieselsäure nachgewiesen, und zwar natürlich nicht einge¬ 
atmeten Silikatstaub, sondern vom Organismus zu Heilzwecken 
abgelagerte Kieselsäure. Mit demselben Thema haben sich 
dann Gerhartz und Strigel1) beschäftigt, nach denen ich 
zunächst einen mir weder im Original noch in einem guten 
Referat zugängigen französischen Autor zu Wort kommen 
lasse. Gerhartz und Strigel zitieren als Beweis, daß ver¬ 
narbtes tuberkulöses Lungengewebe nicht besonders kieselsäure¬ 
reich ist, Robin,2) bei dem es heißt: La silice s’élevait en 
moyenne à 0,0185°/o de matière fraîche et à 1,481 °/o de réside 
minéral. Dans les poumons de notre cinquième tuberculeux 
elle atteignait O g. 0,012 °/o de matière humide et 1,158°/o de 
reside minéral, soit une diminution dans tous les sens, ce qui 
indique que le poumon tuberculeux n’a pas le pouvoir de 
retenir sa silice de constitution. Einige Zeilen weiter heißt 
es: Le poumon tuberculeux perd une notable proportion de 
sa silice sans possibilité de la retenir. Gegen diese Ausführungen 
läßt sich einwenden, daß in den untersuchten Lungen die 
Abheilungsprozesse nicht genügend im Vordergründe standen. 
Gerhartz und Strigel analysierten einen Lungenstein, der 
gar keine Kieselsäure enthielt, sondern nur Calciumphosphat 
(61,29 °/o), Calciumcarbonat (23,42 °/o) und Magnesiumcarbonat 
(5,96°/o). Sie schließen daraus, daß der Befund Zickgrafs 
gar keine Bedeutung habe und nicht im entferntesten als Beleg 
für die Selbstheilung der Lungenschwindsucht durch Kiesel¬ 
säureeinlagerung angezogen werden könne. Nach Kobert und 
nach meiner eigenen Ansicht ist diese Behauptung viel zu 
weitgehend. Bei allen Krankheiten gibt es eine Grenze, wo 
die Heilkraft des Organismus aufhört. So sagen z. B. Arno 
*) H. Gerhartz und A. Strigel, Über Lungensteine und Kiesel¬ 
säurebehandlung. Brauers Beiträge zur Kenntnis der Tuberkulose 
Bd. 10, Heft 1. 
*) A. Robin, Composition chimique et minéralisation de poumon 
chez l’individu sain et chez le phtisique. Application à la physiol, pathol. 
et à la thérap. de la phtisie pulmonaire. Bull. mens, de la Soc. d’Études 
scientif. sur la Tuberc. Févr. 1907, S. 24 des Sep.-Abdr.
        

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