Bauhaus-Universität Weimar

1942. A 
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Der Dank des Präsidenten an P. Waiden kommt in den nachfolgenden 
Worten und der Verleihung der A. W. von Hofmann-Denkmünze zum 
Ausdruck : 
„Hochverehrte Excellenz Waiden! Im Namen aller Anwesenden danke 
ich.Ihnen für die meisterhafte Art, in der Sie die 75 Jahre der Deutschen 
Chemischen Gesellschaft an uns haben vorüberziehen lassen, und für den 
Genuß, den Sie uns dadurch bereitet haben. Tatsachen und Zahlen anzu¬ 
führen, ist leicht; der klare Blick für die Zusammenhänge aber ist künst¬ 
lerische Gabe. Als Zeichen des Dankes für diesen Vortrag und in Würdigung 
Ihres wissenschaftlichen" Lebenswerkes habe ich die Freude, Ihnen namens 
der Deutschen Chemischen Gesellschaft die A. W. von Hof mann-Denkmünze 
zu überreichen. Eigentlich sollte ich Ihnen diese Auszeichnung dreimal 
verleihen : 
Als dem hervorragenden Physiko-Chemiker, der namentlich die Theorie 
der Eösungen und die Kenntnis der Elektrolyte wesentlich bereichert hat, 
als dem Entdecker der Waldenschen Umkehrung, welche für die 
Stereochemie grundlegende Bedeutung erlangt hat, und schließlich 
als dem großen Historiker, der durch seine Vorträge und Schriften 
viele Zusammenhänge aufgedeckt und neue Freude an der Beschäftigung 
mit der Geschichte unserer Wissenschaft geweckt hat.“ 
Sodann erhält A. Butenandt das Wort zu seinem Vortrag: 
Probleme der Biologie im Lichte chemischer Forschung. 
* L v 
„Als vor 75 Jahren die Deutsche Chemische Gesellschaft gegründet wurde, 
überschritt die Chemie gerade einen bedeutungsvollen Wendepunkt; es ging 
ein Zeitabschnitt chemischer Forschung zu Ende, der durch „unruhige, zu¬ 
weilen fast katastrophenartige Wechsel der mit fast gleichen Rechten um die 
Vorherrschaft kämpfenden theoretischen Anschauungen“ gekennzeichnet 
war1). Um 1867, dem Gründungsjahr unserer Gesellschaft, ist man sich in 
wesentlichen wissenschaftlichen Grundanschauungen einig geworden. Man 
hatte sichere Bestimmungsmethoden für die wahren relativen Atomgewichte 
der Elemente und der Molekulargewichte ihrer Verbindungen entwickelt, 
und aus der Lehre von der Wertigkeit der Atome hatte sich die Anschauung 
von der Atomverkettung ergeben, die zur theoretischen Grundlage der vor 
allem an organischen Verbindungen entwickelten Strukturchemie wurde. Auf 
dieser Basis „konnte unsere bis dahin typisch induktive Wissenschaft mehr 
und mehr deduktive Wege gehen", und die ersten 25 Jahre im Leben der 
Deutschen Chemischen Gesellschaft sind erfüllt von jenen großartigen synthe¬ 
tischen Arbeiten in Wissenschaft und Technik, die sich anschließen an die 
Entwicklung der Benzoltheorie (1865) und die darauf folgenden Konstitutions- 
*) Vergl. die Ausführungen von J. Wislicenus zür 25-Jahr-Peier der Gesellschaft, 
11. 25, 3399 [1892],
        

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