Bauhaus-Universität Weimar

Die Arbeitscurve. 
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aufsteigender Verlauf der Arbeitscurve besonders bei solchen Arbeiten 
beobachtet wird, die wenig geübt und daher dem Uebungseinflusse 
sehr zugänglich sind, wie das Buchstabenzählen zu 3, sowie das Lernen 
von Zahlen (Fig. 3) und Silben. 
Allerdings ist von einer Regelmäßigkeit dieses Verhaltens so wenig 
die Rede, dass eine einheitliche Deutung der sich anscheinend viel¬ 
fach widersprechenden Erfahrungen auf den ersten Blick unmöglich 
scheint. Gerade beim Silbenlernen liegt unter 10 Reihen 6 mal die 
höchste Leistung in der ersten Viertelstunde ; andererseits finden wir 
dieselbe Erscheinung beim Schreiben 5 mal und beim Lesen 4 mal 
wieder; bei letzterem wird der beste Werth einmal auch erst am 
Schlüsse erreicht. Die Lösung dieser und anderer ähnlicher Schwie¬ 
rigkeiten liegt in der Erwägung, dass wir es in der Gestaltung der 
Arbeitscurve mit einem Kampfe entgegengesetzter Einflüsse zu thun 
haben, von denen der eine oder der andere die Oberhand gewinnen 
kann. Das Erlernen 12 stelliger Reihen von sinnlosen Silben, wie es 
hier geübt wurde, ist nicht nur eine ungewohnte, sondern auch eine 
anstrengende Arbeit. Bei der Mehrzahl der Versuchspersonen war 
daher anscheinend die ermüdende Wirkung dieser Leistung stärker, 
als die allmählich sich herausbildende Erleichterung durch die Uebung; 
bei zwei anderen war es gerade umgekehrt, während die letzten Zwei 
nach kurzem Ueberwiegen der UebungsWirkung späterhin wachsende 
Ermüdungslähmung darboten. Ein ganz ähnlicher Widerstreit be¬ 
stand offenbar beim Zahlenlemen, doch trat bei dieser weniger an¬ 
strengenden Arbeit die Ermüdung etwas mehr hinter den Uebungs- 
einflüssen zurück. Beim Schreiben war es ohne Zweifel vorzugsweise 
die Ermüdung der Hand, die in der Hälfte der Reihen von vorn 
herein ein Sinken der Leistung bedingte. Dagegen haben wir im 
flüsternden Lesen eine Leistung vor uns, die, anders als das Silben- 
lemen, weder ermüdend, noch der Uebung sehr zugänglich ist. Wenn 
sich hier die Arbeitscurve mehrfach von vorn herein senkte, so lag 
das an der Geringfügigkeit des Uebungsfortschrittes, und wenn trotz¬ 
dem auch einmal der höchste Werth am Ende der Reihe lag, so 
haben wir dafür das Ausbleiben stärkerer Ermüdungswirkungen ver¬ 
antwortlich zu machen. 
Es bietet keine Schwierigkeit, unter diesen Gesichtspunkten ein 
allgemeines Verständniss für den Ausfall der verschiedenartigen, von
        

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