Bauhaus-Universität Weimar

52 Hensen, Die Physiologie der Zeugung. 2. Cap. Die weibl. Geschlechtsorgane. 
tliums tritt eine starke Vascularisation der Tkeca ein. Nack den 
schönen Untersuchungen von His 1 entwickelt sich eine förmliche Ge- 
fässmembran und ein Lymphgefässnetz an der Theca. Durch diese 
Gefässentwicklung scheidet sich die Hülle schärfer von dem Paren¬ 
chym, sodass man jetzt die geschlossenen Follikel recht gut heraus¬ 
schälen kann. An der vorragenden Spitze des Follikels tritt diese 
Gefässentwicklung jedoch nicht ein, sondern ein dort befindlicher 
zarter Gefässkranz umschliesst einen gefässfreien Fleck. Hier wird 
die Hülle dünn und durchscheinend. In den letzten Stadien der Rei¬ 
fung beginnen die Zellen der Granulosa sich in ihrem Zusammen¬ 
hang zu lockern und man findet etwas schleimige Materie zwischen 
ihnen. Die Zellenlagen, welche das Ei unmittelbar umgeben, schei¬ 
den sich schärfer von den benachbarten Granulosazellen, so dass Eier 
aus ganz reifen Follikeln kaum noch mit jenen Zusammenhängen. 
Die Demarkation macht sich übrigens bei verschiedenen Tkieren 
verschieden, beim Kaninchen hängt das Ei schliesslich2 3 durch ver¬ 
zweigte Zellenbalken mit der Granulosa zusammen, beim Meer¬ 
schweinchen findet sich nur eine einfache Demarkationslinie. Immer 
bleibt ein Zellenring am Ei haften, der aber auch ein lockeres Ge¬ 
füge bekommt. Die Granulosa selbst bildet übrigens in der letzten 
Zeit faltige Vorsprünge. Die Zellen des Discus proligerus ziehen 
sich schliesslich zu keulenförmigen Formen, die mit dem spitzen Ende 
an der Zona haften, aus. Bischoff 3 betrachtet dies Verhalten als 
sicheres Zeichen der Reife, es stellt sich jedoch zuweilen unter dem 
Druck des Deckglases her (Reichert 4) und ist nicht einmal immer 
bei Eiern, welche schon ausgestossen sind, nachzuweisen (Hensen, 
1. c.). Andererseits findet van Beneden5 für das Kaninchen, dass die 
keulenförmigen Formen (Corona radiata) schon mehrere Wochen vor 
der Geburt (nach welcher die Kaninchen sich meistens gleich belegen 
lassen) gefunden werden, er erklärt, und gewiss mit mehr Recht, das 
Vorhandensein eines Richtungskörpers für das Zeichen der Reife. 
Nicht selten, aber doch nur ausnahmsweise, werden in einem 
Follikel mehrere Eier gefunden. Die Menge der GßAAF’schen Bläschen 
im Eierstock ist keine sehr grosse, so dass vielleicht der Bedarf von 
ca. 200 Stk. pr. Eierstock nicht gedeckt ist. Dagegen, ist die Anzahl 
1 His, Arch. f. mikroskop. Anat. I. S. 151. 
2 Dies ist von de Bary, Philos. Transact. 1838. p. 301, richtig beschrieben, von 
Bischoff, Entwicklungsgesch. d. Kanincheneies. S. 3 geleugnet worden. 
3 Bischoff, Entwicklung des Kanincheneies. 1843 und Historisch-kritische Be¬ 
merkungen. München 1877. 
4 Reichert, Verhandl. d. Berliner Acad. 1861. S. 105. 
5 van Beneden, Arch. d. biol. I. 1880. (Embryol. du lapin.)
        

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