Bauhaus-Universität Weimar

Die Druckkräfte bei der Geburt. Wirkung d. Geburtsarbeit auf d. Uterusinhalt. 293 
nerung des Uterus. Nach der Geburt des Kopfes beginnt der Fun¬ 
dus des Uterus herabzusteigen, gleichzeitig verkürzt sich seine Höhle, 
aber erst mit dem Austritt des Rumpfes erfolgt eine rasche und aus¬ 
giebige Reduction der contraction Wandfläche. Dies hat eine Zu¬ 
sammendrückung der Placenta zur Folge, welche einen Theil des 
in ihr enthaltenen kindlichen Blutes durch die Nabelvene in den 
Fötus entleert.1 Die Wandfläche des Uterus verkleinert sich darauf 
so sehr, dass die Placenta sich falten muss und dabei in verschie¬ 
dener Weise, bald von einer Seite her bald rings herum sich löst. 
Diese Abtrennung beginnt meist schon während der Ausstossung des 
Fruchtrumpfes. Neue Wehen vollenden die Ablösung falls sie nicht 
sogleich vollständig war und treiben die Placenta in die Scheide, 
die Eihäute folgen ihr nach und da sie sich vom Rande der Pla¬ 
centa her ablösen, so kommt es, dass der Eisack durch die Riss- 
öflnung hindurch invertirt wird. Meistens geht die Placenta mit dem 
Rande, seltener mit der Amniosfläche voraus.2 
Die nächste Folge der Ablösung ist eine Eröffnung der mütter¬ 
lichen Placentagefässe. Aus ihnen ergiesst sich rasch gerinnendes 
Blut in den zwischen Uteruswand, Placenta und Eihäuten entstan¬ 
denen Raum. Eine gewisse Menge von Blut muss stets austreten, 
jedoch je rascher der Uterus sich contrahirt und dadurch namentlich 
die in der Wand verlaufenden klappenlosen Venen schliesst, desto 
geringer wird der Blutverlust werden. Ein Theil dieses Blutes wird 
bei der meist vorhandenen Communication des neu entstandenen 
Raumes mit der Eihöhle schon beim Abgang der letzten Portionen 
des Fruchtwassers entleert, die grössere Masse folgt der Placenta. 
Diese einmal in die Scheide gelangt, kann dort längere Zeit ver¬ 
weilen, weil sie nur noch durch die Wirkung der Bauchpresse oder 
durch eigene Schwere vorwärts gebracht wird. In den Introitus va¬ 
ginae gelangt wird sie durch die Muskulatur des Orificium und des 
Dammes inch Levator ani völlig ausgestossen. 
1 Diese Auspressimg der Placenta durch den contrahirten Uterus kann aus 
derselben bis zu 114 Ccm. Blut (Illing, Diss. inaug. Kiel 1877) in den Körperkreis¬ 
lauf des Neugeborenen überführen. Dass in der Engel diese Transfusion des fö¬ 
talen Placentarblutes statthat, ist bewiesen durch Wägungen des Kindes vor 
Durchtrennung der Nabelschnur, welche ein stetiges Anwachsen des Körpergewich¬ 
tes bis zur Austreibung der Placenta aus dem Uterus ergaben. Auch fand man 
den Blutgehalt der Placenta um so geringer, je längere Zeit zwischen der Geburt 
und der Abnabelung des Kindes verstrichen war. Eine Zusammenstellung der 
Literatur giebt Mayring, Diss. inaug. Erlangen 1879. 
2 Ueber den Mechanismus der Placentargeburt s. Schultze, Wandtafeln zur 
Geburtshülfe. Leipzig 1865 und Deutsche med. Wochenschr. 18S0. Nr. 51 u. 52. — 
Dohrn, Ebenda. Nr. 41. — Credé, Ebenda. Nr. 45. — Duncan, Edinb. med. Journ. 
1871. p. 899. — Kehrer 1. c. Heft 2. S. 161. — Lemser, Diss. inaug. Giessen 1865.
        

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