Bauhaus-Universität Weimar

Die Keimfruchtbarkeit. 
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dass der Embryo in Larvengestalt ausschlüpft, um sieb fortan selb¬ 
ständig zu ernähren. Aus diesem Grunde gilt die Regel, dass bei 
den Larven erzeugenden Thieren die Eier reichlicher und kleiner 
zu sein pflegen, wie bei den Thieren, deren Jungen in vollständigerer 
Ausbildung aus dem Ei treten. Am ausgebreitetsten kommen die 
Larvenformen bei den Wasserbewohnern vor, ohne Zweifel deshalb, 
weil sich im Wasser unvollkommene Organisationen viel leichter 
erhalten und ernähren können wie auf dem Lande. 
Alle diese Umstände erklären freilich noch nicht den sehr grossen 
Ueberschuss an Embryonen, den vor allem die niederen, aber doch 
auch selbst die höheren Thiere ergeben. So lässt sich berechnen, 
dass ein Rattenpärchen nach 10 Jahren 48 Trillionen Nachkommen 
erzeugt haben könnte. Es muss jedoch, so führte bereits Leuckart 
aus, die Zeugung in allen Fällen in einem bestimmten Verhältniss zur 
Vergänglichkeit stehen, wenn die Art soll bestehen bleiben können, 
so dass jetzt nur noch diejenigen Thiere existiren können, welche 
die für den Verlust am Wohnort erforderliche Anzahl von Keimen 
erzeugen; je vergänglicher ein Biont und seine Brut ist, um so zahl¬ 
reichere Keime müssen erzeugt werden. Mehr ins Einzelne gehend 
lässt sich sagen, dass die Keime desto reichlicher ausgestreut werden 
müssen, je geringer die Aussicht ist, dass sie auf günstigen Boden 
fallen, dies Verhältniss giebt u. A. Rechenschaft über die grosse 
Keimfruchtbarkeit der Eingeweidewürmer. Es zeigt sich ferner, dass 
manche Bionten in relativer Lsolirung nicht ausdauern können, son¬ 
dern dass der Platz nur bei einer gewissen Anhäujung gleicher 
Bionten im Besitz der Art bleibt. 
In dieser Richtung beweisende Thatsachen hat Möbius (1. c.) für die 
Auster gesammelt. Ueberall wo die Austernbänke auch nur vorüber¬ 
gehend sehr stark befischt wurden, haben die Austern aufgehört zu ge¬ 
deihen und trotz aller Schonung pflegen sich solche Bänke nicht mehr 
zu erholen. Dabei ist nicht etwa daran zu denken, dass eine vollständige 
Vernichtung der Thiere durch die Befischung stattgefunden habe, denn 
man findet dort vereinzelt noch immer Austern, aber der Nachwuchs hat 
aufgehört zahlreich zu sein, andere Muschelarten haben inzwischen dessen 
Platz eingenommen und die Bank als solche hört auf. In diesem wie 
in anderen ähnlichen Fällen, die wohl namentlich in der Pflanzenwelt 
häufiger Vorkommen, ist nicht daran zu denken, dass es etwa an Keimen 
absolut mangle. Eine Auster z. B. giebt jährlich p4—V2 Million Keime, 
so dass es gar nicht vieler Thiere bedürfte, um die grösste Bank neu 
zu bevölkern, dennoch sind der Keime relativ zu den Keimen der Con- 
currenten nicht genug, denn zuerst müssen die fremden Concurrenten 
förmlich ausgehungert werden, die spätere Concurrenz der eigenen Keime 
ist dem Bestehen der Art nicht gefährlich. Hier wie in den meisten
        

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