Bauhaus-Universität Weimar

1 ( 2 Hensen, Die Physiologie d. Zeugung. 8. Cap. Die Selbstbefruchtung u. Inzucht. 
Ein an die Zeugung der Daphnoiden erinnerndes Verhältniss 
hat Schneider (1. c.) von dem Zwitterwurm Mesostomum Ehren- 
bergii beschrieben. Diese Art bildet nämlich Sommer- und Winter¬ 
eier. Letztere sind Dauereier; das aus ihnen ausschlüpfende Thier 
legt Sommereier, die es selbst mit Hülfe eines besonderen Ver¬ 
bindungsganges zwischen Hoden und Uterus befruchtet. Um diese 
Zeit ist der Penis noch nicht entwickelt, wächst jedoch später. 
Dagegen haben die aus dieser Selbstbefruchtung entstandenen Som¬ 
merei- Thiere sogleich einen e?itirickelte?i Penis und obgleich stets 
Selbstbefruchtung möglich ist, wird dieselbe doch in der Norm ver¬ 
mieden. W ird Selbstbefruchtung durch Isolirung erzwungen, so kann 
das so entstandene Junge nur noch Wintereier erzeugen. Diese Win¬ 
tereier blieben übrigens auch dann entwicklungsfähig, wenn sie nur 
selbstbefruchtet wurden; wie sich die daraus entstehenden Jungen 
verhalten, wurde noch nicht beobachtet. 
Bei einem anderen Saugwurm, Gyrodactylus elegans ', wird die 
Tochter durch normale oder Selbstbefruchtung erzeugt, sie entwickelt 
sich im Uterus des Thieres, erzeugt in sich einen Enkel und dieser 
in sich die Anfänge eines Urenkels. Hier ist natürlich eine nor¬ 
male Befruchtung völlig unmöglich, ob aber Selbstbefruchtung des 
Embryo, ob nur Paedogenesis vorliegt, ist nicht sicher ergründet. 
Dass Bandwürmer sich selbst befruchten können, bedarf kaum der 
Erwähnung, es würden überhaupt noch manche derartige Fälle zu¬ 
sammengetragen werden können, doch dürfte das Mitgetheilte für 
die Thiere ausreichend sein. 
Bei den monöcischen Phanerogamen stehen Narbe und Antheren 
meistens so dicht bei einander, dass es schwierig ist, zu glauben, 
die Selbstbefruchtung sei nicht Zweck dieser Einrichtung. In der 
That kommt sie häufig vor, aber wir werden später sehen, dass sie 
doch noch häufiger vermieden wird. Nur in einem Fall bei Oryza 
clandestina war die Möglichkeit einer Befruchtung von anderen Pflan¬ 
zen aus bisher nicht nachzuweisen. Einige (sog. cleistogame) Blil- 
then gewisser Pflanzen z. B. Ranunculus aquatilis, Oxalis, Viola 
odorata sind bestimmt auf Selbstbefruchtung angewiesen, weil sie 
unter Wasser oder mit stets geschlossener Bliithe verblühen. Hier 
findet sich aber, sei es durch offene Blüthen an anderen Stengeln 
der Pflanze, sei es durch niedrigen Wasserstand oder Wasserströ¬ 
mungen immer die Gelegenheit zur normalen Befruchtung. 
Bei niederen Pflanzen ist das Geschlecht häufig getrennt und 
L Durch v. Siebold, später durch G. R. Wagner, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1860, 
S. 768, untersucht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.