Bauhaus-Universität Weimar

Die Selbstbefruchtung. 
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ACHTES CAPITEL. 
Die Selbstbefruchtung und Inzucht. 
Zwischen Parthenogenesis und Befruchtung ist ein schroffer for¬ 
meller Abstand, dennoch steht die Selbstbefruchtung, physiologisch 
betrachtet, der Zeugung aus unbefruchteten Eiern sehr nahe, ist auch 
an sich kaum weniger schwer verständlich, wie jene. Es macht so¬ 
gar den Eindruck, als wenn die Selbstbefruchtung in gewissen Classen, 
z. B. bei den Würmern, die Parthenogenese vertrete in der Weise, 
dass beide intercurrent zwischen der Befruchtung durch Copulation 
zweier Individuen eintreten und beide direct (seltener nur indirect 
durch Männchenzeugung) besonders rasche Vermehrung bewirken. 
Als Bindeglied zur normalen Befruchtung stellt sich die Inzucht 
dar, die durch Parthenogenesis und Selbstbefruchtung jedenfalls sehr 
befördert wird. Es ist recht überraschend zu sehen, wie in man¬ 
chen Fällen die strengste Inzucht, die Selbstbefruchtung, durch die 
Organisation erzwungen wird, und wieder in anderen Fällen (bei 
höheren Organismen) schwere Schäden und Gebrechen deren un¬ 
weigerliche Folge sind. 
I. Die Selbstbefruchtung. 
Während man vor nicht gar langer Zeit die Selbstbefruchtung 
als sehr gewöhnlich ansah, hat man später häufig die Erfahrung ge¬ 
macht, dass sie in vielen Fällen vollständig und man könnte sagen, 
mit einer gewissen Sorgfalt vermieden werde, so dass man zu dem 
Glauben kam, es werde schliesslich die Selbstbefruchtung ganz fal¬ 
len zu lassen sein. Das ist jedoch ein Irrthum, bei sehr vielen 
Zwittern sind zwar männliche und weibliche Befruchtungsstoffe nicht 
zu gleicher Zeit reif, bei anderen ist wenigstens die Möglichkeit norma¬ 
ler Copulation gegeben, dagegen trifft in einigen Fällen Beides nicht zu. 
Hierher sind namentlich einige der als Heterogonie bezeichneten 
Verhältnisse zu rechnen. Leuckart hat gefunden, dass der in den 
Lungen des braunen Frosches und der Kröte vorkommende Wurm, 
Ascaris nigrovenosa in zweierlei Formen auftritt ; aus seinen Eiern, 
die in Kothmassen gerathen, entsteht nämlich eine viel kleinere, 
sog. Pvhabditisform. Diese heterogen gebauten Thiere sind getrenn¬ 
ten Geschlechts, paaren sich und zeugen die grosse Ascaris nigro¬ 
venosa, welche sich als Zwitter erwiesen hat und sich selbst befruchtet.
        

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