Bauhaus-Universität Weimar

Zeugung durch Theilung, Sprossung. Knospung und Sporenbildung. 
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Es scheint auch zuweilen fremder Pollen die Frucht/iÄ//ew zur Ent¬ 
wicklung bringen zu können, ohne dass er wirklich Samen erzeugt; 
es handelt sich hier wohl um ähnliche Verhältnisse, wie diejenigen 
sind, welche bei der Erzeugung von Gallen wirken. 
Bert 1 hat an Thieren sorgfältige Versuche über Pfropfung an¬ 
gestellt, indem er z. B. Ratten die abgeschnittenen Schwänze anderer 
Ratten unter die Haut schob. Diese vascularisirten sich vollkommen 
und wuchsen, Fracturen in ihnen verheilten, nur die Muskeln gingen 
zu Grunde. Zwischen verschiedenen Thierspecies glücken Trans¬ 
plantationen nicht, die Theile werden resorbirt oder — zwischen 
Vogel und Säugethier — abgestossen. Zwei lebende Ratten konnten 
durch Hautbrücken mit einander verbunden werden, schöpften dann 
aber einen solchen Hass gegen einander, dass der Versuch nicht 
fortgeführt werden konnte. Vereinigung von Katze und Ratte mit 
einander führte zu keiner ordentlichen Verheilung. 
Transplantation kleiner Hautstücke eines Menschen auf seine 
oder eines anderen Menschen wunde Haut gelingen leicht, haben je¬ 
doch schliesslich kein befriedigendes Gedeihen, nur abgehauene Stücke 
von Ohr, Hase, Finger scheinen wieder gut anheilen zu können. 
Bei allen diesen Versuchen sind die Resultate der innigen Ge- 
websverwachsung nicht mit denen der Copulation zu vergleichen, es 
ist aber auch nicht nothwendig, dass eine wirkliche Zellenverschmel¬ 
zung dabei stattfinde. Beachtenswerth ist die Schwierigkeit, Theile, 
welche von entfernter stehenden Species entnommen sind, zur Ver¬ 
einigung und zum Gedeihen zu bringen. 
II. Zeugung durch Theilung, Sprossung, Knospung und 
Sporenbildung. 
Streng genommen ist jede Zelltheilung eine Art ungeschlecht¬ 
licher Zeugung. Unsere physiologische Kenntniss dieses Vorgangs 
ist leider gleich Null, die histologischen Vorgänge zu besprechen, 
würde über den Rahmen der Arbeit hinausführen. 
Nur ein besonderer Fall muss wegen seiner wichtigen Conse- 
quenzen vorgeführt werden, dies ist die Theilung der Baccillariaceen, 
welche übrigens zugleich der Modus ihrer Fortpflanzung auf unge¬ 
schlechtlichem Wege ist. Das betreffende Verhalten ist namentlich 
von Mac Donald1 2 und Pfitzer3 festgestellt. 
1 B. Paul Bert, Journal d. l’anat. et d. 1. physiol. I. p. 69 und De la greffe ani¬ 
male. Paris 1863. 
2 MacDonald, Ann. a. Magaz. of Nat. Hist. (4) III. p. 1. 1864. 
3 Pfitzer in Hansteiivs bot. Abhandl. Heft II. 1871.
        

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