Bauhaus-Universität Weimar

Befruchtungsvorgänge bei den Pflanzen. Die phanerogamen Gewächse. 129 
1. Die phanerogamen Gewächse. 
In dieser grossen Abtheilung gestaltet sich der Befruchtungs- 
Vorgang in den Einzelheiten sehr verschieden, jedoch es kann ge¬ 
nügen, ein recht einfaches Beispiel des Processes herauszuheben. 
Wir folgen der Schilderung Strasburger’s 1 über die Befruchtung 
der Orchideen insbesondere von Orchis paliens. 
Die Blüthe der Orchideen, Fig. 30, ist freilich verschieden von 
den gewöhnlicheren Bliithen, aber man erkennt doch leicht die männ¬ 
lichen Organe an dem Pollen p und wenn die Narbe n hier auch 
nicht auf der Spitze eines Griffels sitzt, so führt doch ein ziemlich 
langer Gang von ihr in den Fruchtknoten f, in dessen Hohlraum 
bei e die kleinen zahlreichen Geschlechtsknospen aufgereiht stehen. 
Diese sitzen auf Leisten pl, welche als Placenta bezeichnet werden. 
Ihr gröberes Verhalten erkennt man aus dem etwa 10 mal vergrösser- 
ten Querschnitt, Fig. 31. 
Man sieht hier die drei Placen- 
ten, welche in zeitige Stielchen aus- 
laufen. Auf diesen sitzen die Ge¬ 
schlechtsknospen bei /, zellige Theile, 
welche in der Mitte eine grössere 
Zelle umschliessen. Letztere wird 
von den Botanikern gewöhnlich als 
Eichen auch wohl als Embryosack 
bezeichnet, sie entspricht jedoch mehr 
dem, was wir früher als weibliche 
Sexualzellen bezeichneten; das dem 
thierisehen Ei analoge Gebilde ent¬ 
wickelt sich erst in dieser Zelle. 
Die feineren Entwicklungsverhältnisse schildert Strasburger in 
folgender Weise. Als frühestes Stadium findet sich in der Mitte der 
zelligen Masse der Geschlechtsknospe eine grössere Zelle, Fig. 32 r/, 
S. 130. 
Aus der Zelle A a. entsteht nicht nur das Eichen, sondern auch 
ein dazu gehöriger ziemlich verwickelter Sexualapparat, dessen Ent¬ 
wicklung übrigens erst vor sich geht, nachdem die Bestäubung ge¬ 
schehen ist. Die Zelle a theilt sich in zwei ungleiche Hälften, die 
kleinere Hälfte liegt an der freien Spitze und theilt sich noch ein¬ 
mal, wodurch die beiden Zellen, Fig. 32 B, a‘ entstehen. In der 
verbleibenden grösseren Zelle a theilt sich der Kern. Die Zelle 
1 Ed. Strasburger. Ueb. d. Befruchtung u. Zelltheilung. Jena 1ST8. 
Handbuch der Physiologie. Bd. Yla. 9 
Fig. 31. Schematischer Durchschnitt durch 
den Fruchtknoten, man sieht bei pl eine Pla¬ 
centa, deren Geschlechtsknospen abgebrochen 
sind, bei l sitzt noch eine solche schon ziem¬ 
lich weit entwickelte, bei p Pollenschläuche.
        

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