Bauhaus-Universität Weimar

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Hensen. Die Physiologie cler Zeugung. Einleitung. 
der Fügung eines höheren Willens stehend zu denken, denn er vermag 
dafür keinen Ersatz zu geben. Wohl aber soll er wissen, dass die Natur¬ 
wissenschaft in dem Gesetz, dass wir in unseren Kindern fortleben, uns 
zugleich den Weg zu steigernder Vervollkommnung anweist. Genau das¬ 
selbe Verhalten zur Erreichung dieses Fortschritts fordern Naturwissen¬ 
schaft wie Lehren der Moral, aber erstere eröffnet eine legitime Aussicht 
mehr als letztere. Gemeinsamer Erfolg für beide Lehren ist die Befrie¬ 
digung durch Pflichterfüllung und Hebung des gegenwärtigen Wohler¬ 
gehens der Umgebung, aber die Naturwissenschaft verspricht noch eine 
Zunahme der Macht, der Einsicht und des Wohlergehens kommender Ge¬ 
nerationen in der Art, wie es schon jetzt die Civilisation für Mensch und 
Thier mit sich gebracht hat. Diese, durch Darwin in klareres Licht 
gestellte Einsicht möge hier einen Ausdruck finden, da sie zwar den Text 
trägt, aber darin nicht ausgesprochen wird. 
Der Gebrauch technischer Ausdrücke ist möglichst, wenn auch nicht 
ganz, vermieden, da dieselben zwar dem Specialforscher dienlich sind, 
uns aber das Eindringen in die verschiedenen Zweige der Wissenschaft 
sehr erschweren. 
Als Hauptwerke sind die im Text citirten Bearbeitungen der Zeugung 
von Haller, Leuckart, Thomson, ferner Darwin’s Werke und die Hé- 
nogénie von Fol zu nennen, im Uebrigen musste das Material kleineren 
Schriften entnommen werden. Für die Geschichte war die von His ge¬ 
gebene, auf (h'iginalstudien beruhende Darstellung, besonders werthvoll. 
Für Unterstützung mit Nachweisen und Literatur erlaube ich mir 
meinen Freunden, insbesondere den Collegen Engler, Flemming und Hel¬ 
ler zu danken. 
B. Geschichtliches. 
Die Geschichte der Zeugung bietet eine ungemein reiche Aus¬ 
wahl an Theoremen. Für die gegenwärtige Physiologie haben aber 
diese Ansichten der älteren Forscher und Philosophen kein grosses 
Interesse mehr, weil die positiven Thatsachen, auf welchen jene fuss- 
ten, unverhältnissmässig spärliche waren. Aus diesem Grunde kann 
im Text kaum noch auf die alten Lehren Rücksicht genommen wer¬ 
den, so möge denn hier im Anfang eine kurze Rundschau gehalten 
sein über unserer Vorfahren: ingratissimum opus: scribere ob iis, 
quae multis a natura circumjectis tenebris velata, sensuum lucis inac- 
cessa, hominum agitantur opinionibus. 1 
a. Die Samenkörperehen. 
Vielleicht mit Unrecht und mit Verkennung der Schwächen un¬ 
serer Zeit, erscheint es uns auffallend, wie spät sich die Einsicht in 
die histologischen Fundamente der Zeugungslehre Bahn brach. Im 
1 Haller, Elementa physiologiae. Lib. XXIX. p. 77. 1746.
        

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