Bauhaus-Universität Weimar

Die Drüsensekrete der männlichen Geschlechtstheile hei den Wirbelthieren. 101 
mit Blut dasselbe sofort zum Erstarren bringt. Weitere Reactionen 
ergaben, dass es identisch mit fibrinogener Substanz ist, nur fehlt 
der Kalkgehalt, welchen man bisher bei gereinigtem Fibrinogen des 
Blutes stets vorfand. Das Sekret enthält bis 27 % fibrinogene Sub¬ 
stanz und von anderen Substanzen höchstens Spuren. Bei den Meer¬ 
schweinchen liegt also der besondere Mechanismus, welcher den Samen 
am und im Os uteri fixirt, deutlich vor. Der Same des Menschen 
gerinnt zwar auch, aber doch nur wenig fest. Es mag sein, dass 
er durch Gerinnung etwas am Os uteri festgehalten wird, jedoch 
kann dies Festhalten nicht kräftig sein, weil bei Bewegung der Frau 
der Same leicht abfliesst. Es ist überhaupt die Mannigfaltigkeit in 
dieser Beziehung eine recht grosse. Der Hund mit sehr kleinen 
Samenblasen verhängt sich auf eine halbe Stunde mit der Hündin, 
das Kaninchen, mit grosser Contractilität der Scheide versehen, voll¬ 
zieht den Begattungsact in kürzester Frist sehr oft, bei dem Igel 
soll die Scheide sich mit Urin füllen, kurz es scheinen lauter be¬ 
sondere Verhältnisse sich zu entwickeln, die aber alle dahin zielen, 
das Sperma in den Uterus hineindringen zu lassen. 
Die CowPER’schen Drüsen, welche in den Bulbus urethrae ein- 
rnünden, geben ein schleimiges Sekret. Sie sind umsponnen von quer¬ 
gestreifter Musculatur und in sie eingebettet, so dass ihr Sekret viel 
energischer hervorgetrieben werden dürfte, als das der anderen Drü¬ 
sen. Schneidemühl 1 fand, dass sie bei früh castrirten Thieren sehr 
unbedeutend entwickelt werden, dass wir sie also als Zubehör des 
sexuellen Apparates aufzufassen haben. Dennoch wäre es möglich, 
dass diese Drüse mehr für Reinigung der Harnröhre von Resten des 
Urins zu sorgen habe, als dass sie grade dem Samen eine besondere 
Substanz zuführe, es kann ja aber auch sein, dass sie die letzten 
Reste des Samens noch aus der Harnröhre hinausschiebt. 
Die ganze Masse des ejaculirten Samens beträgt nach Monte¬ 
gazza1 2 3 zwischen 0.75 und 6 Ccm. Zum Ersatz sind ca. 4 Tage 
nöthig. Bei rasch wiederholten Samenergüssen nimmt sowohl die 
absolute Menge als auch die Dichte der Zoospermien ab. Die Re¬ 
action ist stets stark alkalisch. 
Aus dem Samen sind von Böttcher 3 und Montegazza farb¬ 
lose, sehr spröde Krystalle dargestellt, welche beim Eindampfen und 
schon beim Stehen in Eis aus dem Sperma herausfallen. Diese Kry- 
1 Schneidemühl, Yergl. anat. Unters, üb. CowPER’sche Drüsen ; Deutsch. Ztschr. 
f. Thiermed. u. vgl. Patholog. IV. 1880. 
2 Montegazza, Gaz. med. italian. Lombardia 1866. No. 34. 
3 Böttcher, Arch. f. pathol. Anat. XNXII. S. 525. 1865.
        

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