Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Neues System der Pflanzen-Physiologie: Dritter Band
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36695/553/
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Wickelung gelangt. Dieses niedliche Gewächs hat in un¬ 
seren Gärten gewöhnlich nur Blattstiele, welche blattartig 
ausgebreitet und lanzettförmig gestaltet sind, die jüngsten 
dieser Blattstiele e ntwickeln mitunter ein gewöhnliches 
dreizähliges Oxalis-Blatt, wobei die einzelnen Blättchen 
eyförmig sind und das mittlere einen besonderen Blattstiel 
zeigt. Diese kleinen Blättchen sind, wenn die Pflanze in 
gehörig warmer und feuchter Luft üppig vegetirt, schon 
bei der leisesten Berührung reizbar, sie legen sich alle 
drei sogleich nach Unten zusammen, ganz so, wie es die 
Oxalis-Blätter bei der nächtlichen Stellung zeigen. An den 
älteren Blättern zeigt sich keine Reizbarkeit mehr. Lei¬ 
der ist diese Pflanze noch zu selten, um weitere Untersu¬ 
chungen über dieselbe anstellen zu können. 
Von den Bewegungen der Dionaea Muscipula. 
Eine andere Pflanze, welche durch ihre Bewegungen 
grofse Berühmtheit erlangt hat, ist die Venus-Fliegen¬ 
falle (Dionaea Muscipula Ellis.) Wir erhielten die Be¬ 
schreibung und Abbildung dieser merkwürdigen Pflanze im 
Jahre 1769 durch J. Ellis*) dem die Pflanze von Phila¬ 
delphia aus zugeschickt worden war. Die Venus-Fliegen¬ 
falle ist ein perennirendes krautartiges Gewächs aus den 
Brüchen von Nord-Carolina, sie besitzt zahlreiche saftige 
Wurzelblätter, welche im Kreise gestellt sind. Diese Blät¬ 
ter sind sehr eigenthiimlich gebaut; der Blattstiel ist ge¬ 
flügelt und beinahe herzförmig und an dem Mittelnerven, 
welcher aus dem herzförmigen Einschnitte hervortritt, ist 
das eigentliche Blatt befestigt. Dieses Blatt besteht aus 
zwei gleich grofsen Lappen von etwas ovaler Form, die 
sich auf beiden Seiten der Mittelnerven ausbreiten, so dafs 
dadurch am oberen Ende ein tiefer Einschnitt zwischen die¬ 
sen beiden Lappen entsteht. Herr Dassen hält diese Lap¬ 
pen für unvollkommen ausgebildete Blätter, wodurch dann 
¥) Beschreibung der Dionaea einer merkwürdigen empfindlichen 
Pflanze. In einem Schreiben an den Bitter v. Linné. TJebers. v. 
Schreber. 2te Aufl. Erlang. 1780.