Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Neues System der Pflanzen-Physiologie: Dritter Band
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36695/434/
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beobachtet und durch Abbildungen ziemlich richtig darge¬ 
stellt, doch hat sich hierüber von Buch zu Buch eine sehr 
irrige Ansicht verbreitet. Man glaubt, dafs sich diese Saa- 
men bei dem Keimen mittelst zweier Klappen öffnen, ja 
von einigen Botanikern wurden diese angeblichen Klappen 
sogar für cotyledonenartige Körper angesehen und es fehlte 
nur noch, dafs man diese Conferven zu den Dicotyledonen 
stellte. Eine genauere Beobachtung zeigt jedoch, dafs sich 
diese Sporen bei dem Keimen an dem einen ihrer Enden 
durch eine lange und mehr oder weniger unregelmäfsige 
Spalte öffnen, aus welcher dann ein junger, an beiden 
Enden zugespitzter Schlauch hervortritt, dessen Inhalt im 
Anfänge noch nicht spiralförmig geordnet ist. Dieser junge 
Schlauch war in der vollkommen ausgebildeten Spore nichts 
weiter als die innerste Membran, welche sich beim Keimen 
auf ähnliche Weise ausdehnt und verlängert, wie die der 
Charen-Saamen. Wir haben also an den Saamen der 
Conferven, welche sich conjugiren, drei besondere Häute 
kennen gelernt; eine äufsere ungefärbte, eine zweite sehr 
dicke und bei den Spirogyren grüngefärbte, so wie eine 
äufserst zarte, welche die innerste Haut bildet, diese letz¬ 
tere kommt aber nicht zur Ausbildung, wenn sich in dem 
Inneren dieser Saamen noch kleinere bilden, wie in Fig. 13. 
Tab. X. Die grüne Farbe der zweiten Haut, ist der Sub¬ 
stanz der Membran so fest insitzend, dafs ich sie selbst 
durch kochendes Terpenthin-Oel nicht ausziehen konnte. 
Eine sehr beachtenswerthe Verschiedenheit bei der 
Conjugation dieser Conferven ward zwar schon durch 
Vaucher^j beobachtet, aber von den späteren Botanikern 
meistens ganz übersehen. Es kommen nämlich bei den 
genannten Conferven, wo die gewöhnliche Conjugation statt 
findet, auch Fälle vor, wo sich der Inhalt der Glieder nach 
erfolgter Conjugation von beiden Seiten aus in Bewegung 
setzt, sich in der Röhre der vereinigten Begattungswärz- 
chen mit einander vereinigt, und auch an diesem Orte die 
*) 1. C. Tab. VII. Fig. 3 und 4.