Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Neues System der Pflanzen-Physiologie: Zweiter Band
Person:
Meyen, Franz Julius Ferdinand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36694/75/
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der ganzen Glasröhre füllte. Am folgenden Tage machte 
ich schon Vormittags denselben Versuch mit einer weniger 
kräftigen Pflanze: das Quecksilber war bis Abends um 
4j. Zoll in die Glasröhre hineingestiegen, doch Nachts war 
die Luft feucht und das Wasser stieg nicht nur nicht weiter 
in die Röhre hinein, sondern es entwickelte sich in dem 
oberen Ende der Glasröhre eine Menge Luft, welche aus 
der Schnittfläche des Stengels kam und dadurch das Wasser 
in der Glasröhre zum Fallen brachte. 
Es scheint mir, dafs man diese \ erschiedenheit in den 
Erscheinungen bei beiden Experimenten auf folgende Weise 
erklären kann, ln dem ersteren Falle war die Vegetation 
sehr kräftig, demnach auch die Verdunstung so grofs, dafs 
dieselbe das Gewicht überwältigte, womit die Wassersäule 
in der, am abgeschnittenen Ende befestigten Röhre den 
Saft herabzog. Ist die Verdunstung aber nicht so stark, 
so kann das Gewicht der Wassersäule, welche luftdicht 
an die Schnittfläche des Astes befestigt war, die atmosphä¬ 
rische Luft durch das Intercellular-System und durch die 
Spiralröhren hindurchziehen. Diese Ansicht stützt sich 
nicht nur auf Vermuthungen, sondern auf wirkliche Ex¬ 
perimente. Ich nahm kräftig wachsende Pflanzen von 
Malva rosea, von Vicia Faba, Ligusticum Levisticum 
u. s. w., welche in der Mitte ihres Stengels eine luftfüh¬ 
rende Höhle zeigen, schnitt die Stengel dicht an der Wur¬ 
zel ab und befestigte sie luftdicht vermittelst Caoutschuc 
oder Blase auf Glasröhren, welche mit Wasser gefüllt und 
in Wasser abgesperrt waren. Unter solchen \ orrichtungen 
wurden die Pflanzen der Wirkung eines hellen Sonnen¬ 
scheins ausgesetzt und es zeigte sich sogleich eine sehr 
starke Gasentwickelung an der Schnittfläche, welche sich 
in Form grofser Luftblasen hauptsächlich aus der Luft¬ 
höhle im Marke darstellte. Am Malvenstengel zeigte sich 
am 15. Juni um 9 Uhr Morgens, in Zeit von einer Stunde 
eine so schnelle Gasentwickelung, dafs eine Glasröhre von 
4ijr Linie Durchmesser, bis auf 8 Zoll mit Luft gefüllt wurde, 
wodurch die Pflanze abgehalten wurde, Wasser aufzusaugen
        

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