Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Rückenmarks und Gehirns
Person:
Eckhard, C. Sigmund Exner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36691/73/
Regulator. Herznervencentrum. Lymphherzencentra. 73 
regung des Sympathicus auf das regulatorische Herznervensystem 
des verlängerten Marks im Versuche eben so prompt, als beim 
Säugethier, und dennoch tritt nach der Vagisection keine Beschleu¬ 
nigung des Herzschlags auf, es existirt also bei diesem Thiere kein 
tonisches, reflectorisch angeregtes Centrum als Regulativ für die Herz- 
thätigkeit. Mit dieser Bemerkung soll kein Gegenbeweis für Bern¬ 
stein’s Ansicht geführt, sondern nur die Angelegenheit zu neuer Prü¬ 
fung und noch schärferer Beweisführung empfohlen werden. Von 
dem Caudalherzen des Aales, welches beiläufig bemerkt, ein Lymph- 
herz sein soll, hat Mayer 1 behauptet, dass die Ursachen seiner Be¬ 
wegungen ausserhalb des Rückenmarks zu suchen seien. Später fand 
ich -, dass nach sorgfältiger Zerstörung des Marks, namentlich seines 
untersten, sehr dünnen Theiles, die normalen Bewegungen aufhören, 
und höchstens unvollkommene und unregelmässige Contractionen wie¬ 
derkehren, ähnlich wie es bei den nunmehr zu besprechenden Lymph- 
herzen der Amphibien stattfindet. Für diese wies zuerst Volkmann 
beim Frosch nach, dass nach Zerstörung von zwei mehr oder weni¬ 
ger beschränkten Stellen des Rückenmarks in der Gegend des dritten 
und achten Wirbels die gewöhnlichen Bewegungen derselben cessi- 
ren. Da die letzteren nach der Köpfung des Thieres und der Durch¬ 
schneidung der sensiblen Wurzeln bei Integrität des Rückenmarks 
fortbestehen, so schloss Volkmann daraus, dass das Rückenmark des 
Frosches automatisch wirkende Stellen besitze, und es bildete seit 
jener Zeit die erwähnte Beobachtung, zumal da inzwischen der To¬ 
nus der Skeletmuskeln der Hauptsache nach als ein reflectoriscber 
erkannt worden war, den hauptsächlichsten Beweis dafür, dass das 
Rückenmark automatisch wirkende Stellen in sich schliesse, die keiner 
reflectorischen Anregungen von aussen bedürfen. Mir1 3 und Schiff4 
kamen Bedenken gegen Volkmann’s Ansicht. Wir beobachteten, dass 
nach Trennung des zweiten und zehnten Spinalnerven, welche die 
vom Rückenmark gelieferten Nervenfasern für die Lymphherzen in 
sich schliessen, oder nach Zerstörung des Rückenmarks, die bezüg¬ 
lichen Bewegungen nur für eine gewisse Zeit aufhören, dann aber von 
Neuem, allerdings nicht mehr in der früheren Vollkommenheit, wieder 
beginnen. Spätere Beobachter haben Dasselbe gesehen. Ich war zu 
jener Zeit nicht abgeneigt, die automatischen Centren für die Bewe- 
1 Froriep’s Notizen. 1850. S. 99. 
2 Meine Beiträge. III. S. 167. 
3 lieber das Abhängigkeitsverhältniss der Bewegungen der Lymphherzen der 
Frösche vom Rückenmark. Ztschr. f. rat. Med. VIII. S. 212. 1849. 
4 M. Schiff, Vorläufige Bemerkungen über den Einfluss etc. Ztschr. f. rat. Med. 
IX. 1850. S. 258.
        

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