Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Rückenmarks und Gehirns
Person:
Eckhard, C. Sigmund Exner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36691/56/
56 Eckhard. Rückenmark u. Gehirn 2. Cap. Reflectorische Erscheinungen. 
marks kannte, von denen der Hauptsache nach die Bewegungen der 
Lymphherzen abhängen, dass man reflectorisch auf diese wirken 
könne. Er sah, wie bei einer geköpften Schildkröte an den bereits 
geschwächten Bewegungen der Lymphherzen diese sich jedesmal zu¬ 
sammenzogen, falls er die Hinterbeine mechanisch reizte. Auch für 
den Frosch ist später Aehnliches beobachtet worden, sowohl beim 
Kneifen der Zehen, als auch bei der Reizung der centralen Stümpfe 
einzelner Nerven. Endlich ist noch zu erwähnen, dass nach Goltz1 
bei Reizung der Eingeweide diastolischer Stillstand der Lymph¬ 
herzen entsteht. Bei all diesen reflectorischen Wirkungen, die letz¬ 
tere nicht ausgenommen, treten zugleich reflectorische Bewegungen 
der Körpermuskeln auf. Suslowa 2 hat unter dem Einfluss von Set- 
schenow die GoLTz’sche Erfahrung im Interesse der Rettung der 
Hemmungsmechanismen des letzteren verwerthet. Dabei werden die 
Lymphherzen als Analoga der Reflexbewegungen der Körpermuskeln 
angesehen und dann von ihnen gezeigt, dass sie wie diese einerseits 
nach Entfernung des Gehirns in verstärkte Thätigkeit, und andrer¬ 
seits in diastolischen Stillstand verfallen, wenn die sogenannten Hem¬ 
mungsmechanismen gereizt werden. Die Gegner der spezifischen 
Hemmungsmechanismen im Gehirn sind noch nicht ausführlich auf 
diese Versuche und Betrachtungen eingegangen. Es dürfte ein sol¬ 
ches Unternehmen auch wenig erspriesslich sein. Gesetzt, es Hessen 
sich keine gegnerischen Thatsachen, wie sie oben bei den Hemmungs¬ 
mechanismen der Reflexbewegungen angezogen wurden, auffinden, so 
könnten immerhin für die Lymphherzen specifische Hemmungsapparate 
bestehen, nicht aber für die Reflexbewegungen. Man kann ausserdem 
die Berechtigung des Vergleichs beider Bewegungsarten dadurch be¬ 
streiten, dass man sagt, das wahre Analogon zu den Reflexbewe¬ 
gungen der Körpermuskeln würden im Gebiete der Lympkherzenbe- 
wegung die reflectorischen Aenderungen derselben sein, die man 
bei ihnen durch Reizung von Hautnerven erzielen kann. 
10. Refieæcentra für einzelne Abtheilungen der Körpermusculatur. 
Beim Frosche kann man nach Entfernung des Gehirns, einschliess¬ 
lich des verlängerten Marks, bei hinlänglich intensiver Reizung von 
irgend einem beliebigen Hauttheil aus, in allen noch vorhandenen 
Körpermuskeln Reflexe auslösen. Bei Säugethieren scheint dies an- 
1 Goltz, Reflexhemmung der Bewegung der Lymphherzen. Centralbl. f. d. med. 
Wiss. S. 17.1863. 
2 Suslowa, Beiträge zur Physiologie der Lymphherzen. S. 23. 24. Zürich 1867.
        

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