Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Rückenmarks und Gehirns
Person:
Eckhard, C. Sigmund Exner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36691/350/
350 Exner, Grosshirnrinde. Spec. Physiol. 2. Cap. Grosshirnrinde des Menschen. 
gebrauchen. Es haben Pye Smith, Jackson und John Ogle1, Mongié2, 
Russel3, W. Ogle4 Fälle beobachtet, die dies darzuthun scheinen. 
Linkshändige Menschen waren durch rechtsseitige Hirnläsionen apha- 
sisch geworden und, was mehr beweist, in einer Zusammenstellung, 
welche William Ogle5 von 100 Aphasiefällen macht, befanden sich 
drei linkshändige Menschen, und bei allen dreien betraf die Läsion 
die rechte Hemisphäre. 
Ein für den Physiologen naheliegendes Beispiel, die Einübung 
einer Hemisphäre auch für die einem Sinnesorgane angehörigen psy¬ 
chischen Vorgänge zu demonstriren, ist folgendes: Jedermann weiss, 
dass Anfänger im Mikroskopiren durch subjective und entoptische 
Erscheinungen vielfach beirrt werden. Man sieht da mouches volantes, 
die Schatten der Augenwimpern u. dgl. m. Im Laufe der Einübung 
lernt man von allen diesen Dingen abstrahiren. Ich bin gewohnt 
ausschliesslich mit dem rechten Auge zu mikroskopiren. Blicke ich 
aber mit dem linken Auge ins Mikroskop, so befinde ich mich voll¬ 
kommen in der Lage eines Anfängers; mich behindern die mouches 
volantes, ich sehe wieder meine Augenwimpern, wie ich mich er¬ 
innere, sie als Anfänger gesehen zu haben u. s. w. Dass es sich hier 
nicht um Verschiedenheiten der Augen, auch nicht um Ungeschick¬ 
lichkeit der Kopfhaltung u. dgl. handelt, geht daraus hervor, dass, 
wenn ich mit dem linken Auge mikroskopire, auch der Wettstreit 
der Sehfelder, d. i. das Roth, das durch das Lid meines rechten 
Auges durchschimmert, in hohem Grade am Sehen des mikroskopi¬ 
schen Objectes hindert. Hier ist also das Spiel der Aufmerksamkeit 
durch die Uebung nur in der linken Hemisphäre regulirt worden. 
1 Yergl. Simon, Berl. klin. Wochenschr. 1871. 
2 Mongié, De l’aphasie. Thèse de Paris 1866. 
3 Russel, Med Times and Gaz. Juli u. Okt. 1874. 
4 W. Ogle, Dextral prominence. Philos. Transact. Tom. 45. 
5 W. Ogle, Medico-chirurgical Transactions. XLY. p.279; vgl. auch dessen 
Abhandl. Aphasia and Agraphia; St. George’s hospital reports. II. p. 83. London 1867. 
Die Lehre von den H i r n b e w e g u n g e n ist im IV., die Lehre von 
der chemischen Zusammensetzung des Gehirns und Rücken¬ 
marks im V. Bande behandelt; betreffs der Reaction und des Stoff¬ 
wechsels vergl. auch S. 136 der ersten Abth. dieses Bandes.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.