Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Rückenmarks und Gehirns
Person:
Eckhard, C. Sigmund Exner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36691/332/
332 Exner, Grosshirnrinde. Spec. Physiol. l.Cap. Grosshirnrinde der Thiere. 
tionen der Mundmuskeln nickt treffen, welche zum Aussprechen des 
Wortes führen. 
Es fragt sich, welcher von diesen beiden Lähmungsarten wir die 
bei Exstirpation eines Rindenfeldes beobachteten, und welcher der 
beiden unwillkürlichen Bewegungsweisen, wir jene Bewegungen zu¬ 
zählen wollen, welche auf Reizung eines Rindenfeldes eintreten. 
Mit den Beobacktungstkatsaeken stimmt die letztere Auffassung 
besser überein, so dass wir wohl anzunehmen haben, es fallen bei 
den Exstirpationsversuchen Innervationsimpulse weg, welche sonst 
willkürlich gesetzt wurden, es seien die centralen Verbindungen zwi¬ 
schen den Trägern der Vorstellungen und jenen Innervationsbahnen 
unterbrochen ; und es werden bei den Reizversuchen Innervationsim¬ 
pulse gesetzt, welche, wenn sie auch natürlich nicht gleich jenen bei 
Zwangsbewegungen sind, doch ihnen nahe stehen. Näheres lässt sich 
wohl nicht über diese Bewegungen aussagen; ob sie die Folge von 
wachgerufenen Vorstellungen sind und in welcher Weise sich Be¬ 
wusstsein und die Empfindung der Willkür an ihrer Ausführung be¬ 
theiligt, wird man wohl erst dann erfahren, wenn es möglich sein 
wird, solche Reizversuche an einem Menschen auszuführen.1 
Eine besondere Schwierigkeit für die Deutung der in Rede stehen¬ 
den Versuche bietet die Vergänglichkeit der Erscheinungen nach der 
Exstirpation. Je grösser die Läsion ist, desto länger währen im All¬ 
gemeinen die Erscheinungen, deren Dauer theils nur Tage, theils 
Monate beträgt. Es wird auch angegeben, dass nach gewissen Lä¬ 
sionen eine Restitution überhaupt nur spurweise eingetreten ist, doch 
ist wohl heute die Anzahl und zeitliche Ausdehnung der Versuche 
noch zu gering, um in dieser Beziehung feste Sätze aussprechen zu 
können. Die einen meinen, dass die Restitution der Functionen auf 
vicariirendes Eintreten der anderen Hemisphäre beruht, die anderen, 
dass die Functionen der exstirpirten Stelle von den unversehrten um¬ 
liegenden Gehirntheilen desselben Rindenfeldes übernommen werden. 
1 Ein solcher Versuch ist schon einmal angestellt worden (Bartholow, Am. 
Journ. of the med. sc. April 1S74). Ich kann nicht entscheiden, ob der Schrei der Ent¬ 
rüstung, welcher sich an diesen Versuch knüpfte, für jedes derartige, aber sorgsamer 
ausgeführte, Experiment am Menschen berechtigt wäre. Aus jenem aber ergibt sich, 
so weit ich dieses aus Referaten entnehmen kann — das Original ist mir nicht zugäng¬ 
lich — nichts, was uns in der angedeuteten Beziehung belehren würde.
        

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