Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Rückenmarks und Gehirns
Person:
Eckhard, C. Sigmund Exner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36691/239/
Moclifi cationen und Einwände gegen das psychische Gesetz. 
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dass die Yersuchsresiiltate das Gesetz nicht erkennen lassen, andererseits 
wird aus aprioristischen Gründen die Möglichkeit eines solchen Gesetzes 
in Frage gestellt. Wir können uns in diesen Streitfragen kurz fassen, 
schon deshalb, weil sich dieselben in dem Werke Fechner’s: „In Sachen 
der Psychophysik“1 zusammengestellt und ausführlich besprochen finden. 
Nur die wuchtigsten dieser Fragen mögen kurz berührt und die Vorschläge 
zu Abänderungen des Gesetzes erwähnt werden. Da in Vorstehendem 
schon mehrfach hervorgehoben wurde, dass das psychophysische Gesetz 
nur in einer gewissen Annäherung die Abhängigkeit der Empfindung vom 
Reize ausdrückt, so wird auf diesen Punkt weiter nicht zurückgegriffen 
■werden. 
Helmholtz 2 hat zunächst ausschliesslich an Gesichtsempfindungen 
denkend, der Formel für die Empfindungsgrösse eine andere Gestalt ge¬ 
geben, so dass auch die obere und untere Gränze des Gesetzes in der 
Formel zum Ausdruck kommt. 
Die untere Gränze, gegeben durch den Einfluss des Eigenlichtes der 
Netzhaut, wird in unserer Formel 1) ausgedrückt, indem man zu dem 
Reize r noch den constanten Reiz des Eigenlichtes r0 hinzuaddirt, 
7 7 är 
r + r0 
Durch Integration erhält man dann 
e — k log \r -j- r0) -j- C. 
Da bei starken Reizen die Empfindung auch dieser Formel nicht ent¬ 
spricht, indem sie bei wachsender Reizgrösse erst langsamer und schliess¬ 
lich, wenn die Reizgrösse sehr hoch gestiegen ist, gar nicht mehr wächst, 
so muss k als variabel betrachtet werden, und zwar so, dass es beim 
Wachsthum von r bis zu einem gewissen Punkte nahezu unveränderlich 
ist, bei sehr grossen Werthen von r aber immer kleiner und schliesslich 
Null wird. Helmholtz wählt zum Ausdruck dieses Abhängigkeitsver- 
hältnisses die Gleichung _ a 
b + r 
wto a und b Constante, b überdies verhältnissmässig gross ist. Es wird 
dann die letzte Differentialgleichung zu 
7 a dr 
d e = 
und 
(l + r) (r + r0) 
log (r + r^ 
b-r0 °\b 
C. 
Das Maximum der Empfindung, welches eintreten kann, ist nach dieser 
Formel C und die grösste Empfindlichkeit, wenn der Reiz den Werth 
r = \br0 
hat. 
Diese Formel bezieht sich, wie gesagt, zunächst auf Lichtempfin¬ 
dungen oder doch nur auf solche Empfindungen, für welche das Fechner- 
sche Gesetz eine obere und eine untere Gränze hat. Es ist aber auch 
] Leipzig bei Breitkopf u. Härtel. 1877. 
2 Helmholtz, Physiologische Optik. S. 315.
        

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