Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Physiologie des Rückenmarks und Gehirns
Person:
Eckhard, C. Sigmund Exner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36691/175/
Motorische und sensible Nervenwege im Gehirn. 
175 
1. Auf die Thatsache der Kreuzung. 
Für die durch die motorischen Kopfnerven vermittelten Inner¬ 
vationswege wird dieselbe angedeutet durch die Angabe der Histo- 
logen über die intracerebrale Kreuzung einiger Gehirnnerven. Man 
versichert, dass die Trochlear es und Hypoglossi die besten 
Bilder lieferten. Es ist jedoch nicht zu verschweigen, dass hier 
erneute Untersuchungen nöthig sind. Schroeder van der Kolk 
läugnet eine Kreuzung der Trochleares, peripher von ihren Kernen 
gelegen, und Ekner sah bei Beizung des Trochleariskerns auf einer 
Seite keine entsprechende Bewegung am Auge der anderen.1 Da¬ 
gegen sind physiologische Erfahrungen vorhanden, aus denen ohne 
Zweifel eine Kreuzung der motorischen Innervationswege der Kopf¬ 
nerven folgt, insbesondere wenn man der Vorsicht wegen sich der 
Eingangs gemachten Bemerkungen erinnert. So giebt Beizung des 
sogenannten Facialiscentrums Zuckung im Facialisgebiete der anderen 
Seite. Bei rechts im Hirn gelegenen Lähmungsursachen kommen 
Lähmungserscheinungen im linken Facialis und linken Hypoglossus 
vor. Einseitige Verletzungen des verlängerten Marks geben Verstellun¬ 
gen beider Augen u. dgl. m. Die Orte der Kreuzung dieser Inner¬ 
vationen sind noch durch besondere Versuche aufzuhellen. Für die 
Kreuzung der durch Bückenmarksnerven vermittelten Inner¬ 
vationsvorgänge geben die Erfolge der Hirnreizungen und Hirnläsio¬ 
nen, welche stets auf der der Seite des Eingriffs entgegengesetzten 
auftreten, hinlängliches Zeugniss für diejenigen Geschöpfe, für welche 
nach S. 163 keine Kreuzung willkührlich motorischer Nervenwege in¬ 
nerhalb des Marks existirt. Auch werden die folgenden Mittheilungen 
hierfür noch Belege geben. 
2. Auf die Erfahrungen, dass ein grosser Theil dieser Kreuzungen, 
wenn nicht alle, in der Brücke und dem verlängerten Mark geschieht. 
Gliky2 sah die gekreuzten Wirkungen, welche er durch Bei¬ 
zungen der Grosshirnhemisphäre erhielt, fortbestehen, nachdem er 
alle Commissurentheile bis zu dem hinteren Vierhügelpaar hin in der 
Mittellinie des Gehirns getrennt hatte und Balighian3 zeigte, wie 
die für die vorderen Extremitäten bestimmten motorischen Inner¬ 
vationswege sich auf einer Strecke kreuzen, die schon in der Gegend 
der Brücke anfängt, sich im ganzen Verlauf des verlängerten Marks 
1 Brücke, Vorlesungen über Physiologie. IL S. 80. 2. Aufi. 1876. 
2 W. Gliky, Ueber die Wege, auf denen die durch electrische Reizung etc. 
Meine Beiträge. VIII. S. 177. 185. 1875. 
3 J. Balighian, Beiträge zur Lehre von der Kreuzung der motorischen Inner¬ 
vationswege im Cerebrospinalsystem. Meine Beiträge VIII. S. 193.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.