Bauhaus-Universität Weimar

288 Sigmund Mayer, Spec. Nervenphysiologie. 4. Cap. Das sympath. Nervensystem. 
alsdann von Johnston (17 71) und Bichat (1801) weiter ausgeführt. John¬ 
ston insbesondere setzte die Function der Nervenknoten, die er als die 
Quellen oder unmittelbaren Ursprünge derjenigen Nerven ansah, die zu den 
Organen mit unwillkürlicher Bewegung sich begeben, in ihre Fähigkeit, 
die Wirkung des Willens auf die genannten Bewegungen zu verhindern. 
Johnston sagt: „Die Knoten schränken die Macht der Seele in der thie- 
rischen Oeconomie ein und setzen es ausser unserer Gewalt, durch ein 
blosses Wollen die Bewegungen unseres Herzens zu hemmen und in einem 
Anfall von übler Laune unser Leben unwiderbringlich zu enden. “ Einer 
ähnlichen Meinung huldigte auch Reil (1807), indem er Empfindungen, 
die von Theilen herkommen, welche vom Sympathicus versorgt werden, 
in den Knoten und Nerven des Sympathicus einen Widerstand für ihre 
Fortpflanzung finden liess. Ausgehend von den zu seiner Zeit herrschen¬ 
den elektrischen Theorien fasste er den sympathischen Grenzstrang als 
Halbleiter auf, der das vegetative von dem animalischen Systeme trenne. 
Bichat’s Lehre von der Trennung des Nervensystems in einen ani¬ 
malischen und einen vegetativen oder organischen Theil wurde der Grund¬ 
stein der heute noch allgemein gültigen Anschauungen. Bichat betrach¬ 
tete die Ganglien als selbständige Gebilde, mit der Function betraut die 
Vorgänge der unwillkührlichen Bewegungen, der Absonderung und Ernäh¬ 
rung einzuleiten. 
Nachdem Joh. Müller die anatomische Charakteristik der Bestand¬ 
teile des animalischen und vegetativen Nervensystems und ihre gegen¬ 
seitigen Beziehungen zu einander erörtert, griff die mikroskopische Ana¬ 
tomie mächtig in die Weiterentwicklung dieser Lehre ein, indem Remak 
(1838), Bidder und Volkmann (1842) in verschiedenen Gebilden die spe- 
cifischen dem organischen Nervensysteme charakteristischen faserigen Ele¬ 
mente glaubten entdeckt zu haben, Remak ausserdem die reiche Verbrei¬ 
tung von Nervenzellen, welche Ehrenberg (1836) beschrieben hatte, in 
vielen Organen aufdeckte und im Verein mit Kölliker den Nachweis zu 
liefern vermeinte, dass von den Zellen der Nervenknoten organische Fa¬ 
sern ihren Ursprung nähmen. 
Für die physiologische Selbständigkeit und Unabhängigkeit des sym¬ 
pathischen Systems traten insbesondere Bidder, Volkmann.u. v. A. ein, 
während Valentin, Schiff diese Lehre bekämpfen zu müssen glaubten. 
Bedeutungsvoll für unseren Einblick in das Verhältnis zwischen Sym¬ 
pathicus und Cerebrospinalsystem waren die Ermittlungen Budge’s (1851), 
welche den Nachweis lieferten, dass die im Halssympathicus zum Kopf 
verlaufenden Fasern, welche durch die Entdeckungen von Pourfour du 
Petit, Cl. Bernard und Brown-Séquard in hervorragender Weise die 
Aufmerksamkeit der Physiologen auf sich zogen, sich bis ins Rückenmark 
hinein verfolgen lassen. Seitdem ist es gelungen von anderen Bahnen 
des Sympathicus, deren Functionen genau untersucht werden konnten, 
nachzuweisen, dass sie sich bis ins Rückenmark und Gehirn hinein er¬ 
strecken und dort der Reizung oder Lähmung auf dem Wege des Ex¬ 
perimentes zugänglich sind.
        

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