Bauhaus-Universität Weimar

Bedeutung des Sympathicus. 
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auf verschiedenen Heerstrassen zu vermitteln. Was die Plexusbildung 
im Bereiche des cerebrospinalen Systèmes leistet, das ist ihr in un¬ 
gleich ausgebildeterem Maasse innerhalb des Sympathicus übertragen. 
So stellt sich uns also im Sympathicus nichts anderes dar, als eine 
vom Cerebrospinalsysteme abgezweigte Bahn, in die sich Innervations¬ 
bahnen von allen Punkten der grossen nervösen Centren zu allsei¬ 
tiger peripherischer Ausbreitung ergiessen, während die cerebrospi¬ 
nalen Nerven im engeren Sinne gleich nach ihrem Austritte aus dem 
Centralorgane zu einer mehr oder weniger eng begrenzten periphe¬ 
rischen Ausstrahlung zusammengefasst werden. 
Die im sympathischen Systeme realisirte Verbreitung der Ner¬ 
venfasern erscheint insofern als äusserst zweckmässig, als der normale 
Bestand der zur Functionirung der Organe wichtigen Nerveneinflüsse 
um so gesicherter erscheinen muss, je zahlreicher die Stellen des 
nervösen Centrums sind, von denen die Impulse ausgehen und die 
Bahnen, in denen sie fortgeleitet werden. 
Es ist zur Zeit nicht möglich, die Gesetze näher zu präcisiren, 
nach denen im Sympathicus die Vertheilung der Fasern vor sich 
geht; hierin aber liegt, so weit ich sehe, das wesentliche Räthsel. 
Das von Valentin aufgestellte Gesetz (lex progressus), dass höher 
entspringende Nervenfaserbündel sich zeitweise an tiefer entspringende 
zu weiterem Verlaufe anschliessen und erst dann, nachdem sie 
mehrere Ganglien des sympathischen Systèmes durchsetzt haben, 
wieder austreten, um tiefer gelegene Eingeweide (besonders mit be¬ 
wegenden Fasern) zu versorgen, hat sich nicht durchgreifend bewährt. 
Vorderhand kann auf die Frage, warum z. B. Fasern für die Iris 
vom obersten Brustmark ausstrahlen und erst im Grenzstrange dem 
Auge zustreben, oder warum die secretorischen Fasern für die Schweiss- 
absonderung der Hinterpfoten vorerst im Bauchsympathicus verlaufen 
u. a. m. eine befriedigende Antwort nicht gegeben werden. Soviel 
aber scheint mir sicher, dass diese Fragen weniger von der experi¬ 
mentellen Physiologie, als ganz besonders von der Entwicklungsge¬ 
schichte und der vergleichenden Neurologie ihrer Lösung werden zu¬ 
geführt werden. 
Historisches. Auf die älteren nur auf mehr oder minder berech¬ 
tigten Speculationen über die Bedeutung des Sympathicus beruhenden 
Meinungen von Willis (1664), Vieussens (1684), Lancisi brauchen wir 
hier nicht näher einzugehen.1 Die Ansicht, dass die Knoten als kleine 
Gehirne anzusehen seien, wurde zuerst von Winslow (1732) aufgestellt, 
1 Eine Darstellung derselben findet sich in dem Werke von Lobstein, De nervi 
sympathetic! humani fabrica, usu et morbis. Paris 1823. Der Name „sympathetischer 
Nerv“ wurde zuerst von Winslow gebraucht.
        

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