Bauhaus-Universität Weimar

272 Sigmund Mayer, Spec. Nervenphysiologie. 3. Cap. Die Hirnnerven. 
gab an, dass in der ersten Zeit nach der Operation der Gasweclisel 
nicht alterirt wird. 
Was nun den Tod nach doppelseitiger Vagusdurchschneidung 
betrifft, der ausnahmslos nach kürzerer oder längerer Zeit eintritt, 
so ist für die Mehrzahl der Fälle die hochgradige Lungenentzündung 
als entschieden zureichendes Moment zu betrachten. Als einzige 
Todesursache aber ist* dieselbe wohl kaum anzusehen, da Vögel 
ebenfalls zu Grunde gehen trotz fehlender Lungenaffection, da ferner 
Hunde oft erst nach sehr langer Zeit und mit nur unbedeutender 
Erkrankung der Lungen sterben und da endlich bei Thieren, die 
durch Einlegung einer Trachealcanüle vor den die Lungenentzün¬ 
dung wesentlich bedingenden Schädlichkeiten geschützt worden, 
gleichwohl der Tod eintritt, obschon derselbe durch die an und für 
sich schon schädlich wirkende Canüle bei Kaninchen etwas hinaus¬ 
geschoben wird.1 
Im Hinblick auf die mannigfaltigen Functionen, die, wie oben 
auseinandergesetzt, dem Nerv, vagus übertragen sind, kann es nun 
kaum Wunder nehmen, wenn die Thiere den plötzlichen Wegfall 
derselben nicht auf die Dauer ertragen. Wenn wir auch gesehen 
haben, dass einzelne Defecte in der Gesammtheit der nervösen Ein¬ 
flüsse durch Substitutions- und Adaptationsvorrichtungen, die zweifel¬ 
los im Organismus vorhanden sind, so ausgeglichen werden können, 
dass sie ohne Schaden für den Gesammtorganismus ertragen werden 
können, so braucht dies doch nicht mehr der Fall zu sein, wenn 
eine ganze Reihe von Störungen gleichzeitig eingeführt wird. 
Es ist schwer anzugeben, welcher Faktor bei der Hervor¬ 
bringung des lethalen Ausganges der doppeltseitigen Vagusdurch¬ 
schneidung bei der Concurrenz so vielfacher, durch die Operation 
eingeführter Störungen wesentlich betheiligt ist. Rosenthal (1. c. 
Seite 114) hat schon die Meinung ausgesprochen, dass vagotomirte 
Thiere alsbald eine Verminderung ihres Respirationsprocesses er¬ 
fahren in Folge der verminderten Leistungsfähigkeit der Athem- 
muskeln, herbeigeführt durch die grössere denselben auferlegte 
Arbeit. Wir wollen hinzufügen, dass es uns nicht richtig erscheint, 
wenn man aus den oben angeführten Versuchsresultaten von Rosen¬ 
thal und Räuber den Schluss ableitete, dass nach der Vagus- 
1 H. Nasse (Arch. d. Vereins f. gemeinschaftl. Arbeiten 1856. II. S. 327) erhielt 
bei 14 Hunden, an denen er die doppelseitige Vagusdurchschneidung ausgeführt 
hatte, folgende Zeiten der Lebensdauer: 2, 21/*, 3, 3V2, 4Va, 5, 6, 7, 9, 9, 11, 30, 
57, 62 Tage. Beobachtungen über den erst nach langer Zeit eintretenden Tod bei 
Hunden als Folge der Vagotomie ohne tiefgehende Lungenveränderungen liegen 
noch vor von Blainville, Longet, Bernard, Loewinsohn (Expérimenta de nervi 
vagi in respirationem vi et effectu. Dissert. Dorpat 1858.
        

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