Bauhaus-Universität Weimar

200 Sigmund Mater, Spec. Nervenphysiologie. 1. Cap. Verschiedenheit der Nerven. 
Diesem Princip zu Folge erscheint ein grosser Theil der That- 
saclien, die früher in der speciellen Nervenphysiologie vorgebracht 
wurden, in der vorliegenden Bearbeitung aus dieser ausgeschieden. 
Neben einer auf die einschlägigen Capitel hinweisenden Uebersicht 
soll hier nur dasjenige Material berücksichtigt werden, welches, nach 
dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse, im Systeme der Physiologie 
nicht sachgemässer untergebracht werden kann. 
Die Vergleichung der Resultate, welche man bei Versuchen mit 
Durchtrennung der Nerven einerseits und deren künstlicher Erregung 
andererseits erzielt, sowie die Berücksichtigung der Symptomencom- 
plexe, die bei Erkrankungen im Bereiche des Nervensystems auf- 
treten, haben dazu geführt, folgende Kategorien von Nerven aufzu¬ 
stellen : 
I. Centrifugale Nerven. 
a) Motorische Nerven für quergestreifte und glatte Muskulatur. 
b) Hemmungsnerven. Dass der Nerv, vagus resp. accessorius 
dem Herzen gegenüber eine specifische Wirksamkeit entfaltet, die 
man nach dem Vorgänge von Ed. Weber passend als Hemmung be¬ 
zeichnet, wird allgemein anerkannt. Die übrigen für die Annahme 
von centrifugalen Hemmungswirkungen beigebrachten Thatsachen 
bedürfen weiterer Untersuchung. 
c) Secretionsnerven. 
d) Tropkische Nerven. 
II. Centripetale Nerven* 
a) Empfindungsnerven (sensible, sensitive, sensorische Nerven). 
Es dürfte nicht unzweckmässig sein, hier darauf aufmerksam zu 
machen, dass es von Nerven, die bestimmte Reflexphänomene ver¬ 
mitteln, wie z. B. den Lungenfasern des Vagus, die bei der Selbst¬ 
steuerung der Athembewegungen mitwirken, ungewiss ist, ob sie 
auch Anlass zu Empfindungen geben. Neben die sensiblen Nerven¬ 
fasern könnte man also noch die Kategorie der reflexvermittelnden 
Nerven stellen. Wir sagen absichtlich „ reflexvermittelnde “ und nicht 
Reflexbewegung vermittelnde Nerven, da auf dem Wege des Reflexes 
nicht allein Bewegungen, sondern auch die übrigen oben erwähnten 
centrifugalen Innervationen hervorgerufen werden können. 
Von den genannten Nervenarten werden hier zunächst nur die 
sog. trophischen Nerven näher in Berücksichtigung gezogen werden, 
da über die Berechtigung zur Aufstellung derselben vielfache Mei-
        

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