Bauhaus-Universität Weimar

Rückläufige und supplieirende Sensibilität an peripherischen Nerven. 235 
ausserdem noch andere, die Verheilung sehr erschwerende Bedin¬ 
gungen (Lageveränderung der zurückgelassenen, das centrale Nerven¬ 
ende enthaltenden Knochenpartie, isolirte Vernarbung der Wund- 
enden der Nerven durch theilweises Ueberwachsen der Wundfläche 
mit Mundschleimhaut etc.) eingeführt wurden, so muss jeder Gedanke 
an eine stattgehabte Wiedervereinigung von der Hand gewiesen werden. 
Mehrere Jahre nach den BRUNs’schen Mittheilungen wurden in 
Frankreich einige chirurgische Beobachtungen mitgetheilt, in denen 
bei Nervenverletzungen die durchschnittenen Nervenenden durch die 
Naht vereinigt wurden und die Rückkehr der Sensibilität in sehr 
kurzer Zeit constatirt werden konnte. Die einschlägigen Beobach¬ 
tungen von Laugier, Houel (Fall von Nélaton) und Richet wurden 
dahin gedeutet, dass in Uebereinstimmung mit älteren Angaben 
(Paget, Bruch, Schiff) eine Vereinigung durchschnittener Nerven 
per primam intentionem stattfinden und die verloren gegangene Sen¬ 
sibilität in Folge derselben in sehr kurzer Zeit sich wiedereinstellen 
könne.1 
Versuche von Eulenburg und Landois'2 3 haben jedoch gezeigt, 
dass auch die Nervennaht den tiefgreifenden im peripheren Nerven¬ 
stumpfe sich ausbildenden Degenerationsprocess nicht aufzuhalten ver¬ 
mag und dass von einem Zusammenwachsen des centralen Stumpfes 
mit dem peripheren per primam intentionem nichts zu beobachten 
war. Ranvier 3 hat sich diesen Angaben von Eulenburg und Lan¬ 
dois angeschlossen, da es ihm nicht gelang die positiven Versuchs¬ 
resultate von Bakowiecki4 über rasche Verheilung von zusammen¬ 
genähten Nervenstümpfen zu erhalten. 
Da somit die Möglichkeit einer raschen Wiedervereinigung durch¬ 
schnittener Nerven mit rascher Wiederkehr der unterbrochen gewe¬ 
senen Nervenleitung sehr wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat, so 
darf man wohl annehmen, dass die oben erwähnten Beobachtungen 
von Bruns und die späteren ähnlichen anderer Autoren ihrem Wesen 
nach als identisch angesehen werden müssen. In der That hat Richet 
schon vor der Wiedervereinigung des durchschnittenen Nerv, media- 
1 Das Nähere über die angeführten Fälle findet sich mitgetheüt in dem oben 
citirten Buche von Létiévant und in der Thèse von Felhol, De la sensibüité ré¬ 
currente dans la main. Paris 1ST3. Weitere Fälle von Nervendurchschneidungen 
und deren Folgeerscheinungen sind mitgetheilt bei Kraussold im Arch. f. klin. 
Chirurgie XXI. 1877. S. 448 und in der Schrift desselben Autors, Ueber Nerven¬ 
durchschneidung und Nervennaht. Leipzig 1878 (aus Volkmann’s Sammlung klin. 
Vorträge). 
2 Eulenburg und Landois, Berliner klin. Wochenschr. 1864. Nr. 45. 
3 Ranvier, Leçons sur l’histologie du système nerveux I. p. 276. Paris 1878. 
4 Bakowiecki, Arch. f. mikroskop. Anat. XIII. S. 420.1876.
        

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