Bauhaus-Universität Weimar

232 Sigmund Mayer, Spec. Nervenphysiologie. 2. Cap. Die Rückenmarksnerven. 
5) Die Hautnervenbezirke der oberen und unteren Extremitäten 
bilden im Allgemeinen Gürtel, haben die Gestalt von Schienen einer 
Rüstung und treten zwischen dem Spalt eines höheren und tieferen 
Bezirkes unter spitzen Winkeln aus (Türck). 
6) Ueber die Beziehungen zwischen Verbreitung der Hautnerven 
und der motorischen Nerven der Muskeln, die unter der betreffenden 
Hautstelle liegen, vergl. oben Satz 5. 
VII. Von der rückläufigen und supplirenden Sensibilität 
(sensibilité suppléée)1 an periplierisclien cerebro - spinalen 
Nerven. 
Die Erscheinungen der rückläufigen Sensibilität, die an dem 
peripherischen Stumpfe durchschnittener Vorderwurzeln zu beobach¬ 
ten ist, wurden bereits oben erwähnt. Aehnliche Erscheinungen wur¬ 
den von Cl. Bernard auch an den peripherischen Stümpfen durch¬ 
schnittener vorwiegend motorischer cerebraler Nerven aufgedeckt. 
So erwies sich der peripherische Stumpf des durchtrennten Nervus 
facialis beim Hunde entschieden sensibel, während beim Kaninchen 
und Pferde die Sensibilität weniger ausgesprochen und manchmal 
ganz zu fehlen schien 2. Diese Art von Sensibilität stammt von Fa¬ 
sern des Nervus trigeminus, die im Nervus facialis einen rückläufigen 
Verlauf nehmen. Am Nervus accessorius Willisii fand Bernard beim 
Hund, Kaninchen und bei der Ziege gleichfalls Erscheinungen der 
rückläufigen Sensibilität, die er von den sensiblen Wurzeln der vier 
ersten Cervicalnerven ableitet.3 
Sowohl aus den Versuchen von Bernard, als auch aus denen 
von Chauveau4 schien hervorzugehen, dass beim Hunde die rück¬ 
läufige Sensibilität viel leichter nachzuweisen ist, als beim Kaninchen 
und beim Pferde, bei welchem Chauveau sie vollständig vermisste. 
Dieser Umstand veranlasste Arloing und Tripier5, die sich schon 
1 Der genannte Ausdruck für die Wiederkehr von Sensibilitätserscheinungen 
an Theüen, deren mit den Hüfsmitteln der gröberen Anatomie nachweisbare Ner- 
venstämme vom Centrum getrennt worden, wurde vorgeschlagen von Letiévant in 
seinem Werke Traité des sections nerveuses. Paris 1873. In demselben findet sich 
ein ziemlich vollständiger Literaturnachweis über die Lehre von den Nervendurch- 
schneidungen vom operativen, physiologischen und pathologisch-anatomischen Ge¬ 
sichtspunkte aus. Auch enthält dasselbe eine Anzahl eigener und fremder Beob¬ 
achtungen über das Verhalten der Sensibilität nach Nervenverletzungen beim 
Menschen. 
2 Cl. Bernard, Leçons sur la physiologie et la pathologie du système nerveux 
1858. II. p. 26. 
3 Cl. Bernard, ibid. p. 260. 
4 Chauveau, Journ. d. 1. physiol. IV. p. 361. 1861. 
5 Arloing et Tripier, Compt. rend. 1868, Arch. d. physiol, norm, et pathol. 1869. 
IL p. 33, 307, ibid. III. 2. sér. 1876. p. 11,105, ibid. 1874. p. 1473.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.