Bauhaus-Universität Weimar

214 Sigmund Mayer. Spec. Nervenphysiologie. 1. Cap. Verschiedenheit der Nerven. 
dürfte die Eliminirung der sensiblen Nerven wirken, sondern auch 
dadurch, dass die mit den sensiblen Erregungen zu gleicher Zeit 
eingreifenden regulatorischen Innervationen für die locale Blutver¬ 
sorgung den nervösen Centralorganen nicht mehr, wie in der Norm, 
übermittelt werden. 
2) Die Intervention vasomotorischer Nerven bei der Hervorbrin- 
gung gewisser Veränderungen in der Ernährung und im Wachsthum 
kann gewiss nicht bestritten werden. Dass die in der ersten Zeit 
nach der Durchschneidung vasoconstrictorischer Nerven auftretende 
Hyperämie und die locale Temperaturerhöhung beschleunigend auf 
die Stoffanbildung wirken können, erscheint a priori wahrscheinlich 
und ergiebt sich auch aus den oben angeführten positiven Versuchs¬ 
ergebnissen. Da jedoch die durch die Trennung vasoconstrictorischer 
Nerven gesetzte Hyperämie bald wieder zurückgeht und der Tonus 
der Gefässe sich wieder herstellt, so kann dieser vermehrte Stoff¬ 
wechsel nur von kurzer Dauer sein. Es kann sich dann im Gegen- 
theil ein Zurückbleiben in den Ernährungsvorgängen ausbilden, da 
die in einem mittleren Zustande der Contraktion stehenbleibenden 
und nur noch passiv unter dem Einflüsse des wechselnden allge¬ 
meinen Blutdruckes oscillirenden Gefässe niemals mehr wieder so 
weit werden können, als dies möglich war zu einer Zeit, da sie sich 
unter dem Einflüsse der nervösen Centralorgane durch vollständiges 
Erlahmen ihres dort wurzelnden Tonus ad maximum erweitern konn¬ 
ten; auch ist vielleicht der Wegfall vasodilatatoriseher Innervationen 
hier in Rücksicht zu ziehen. Die oben angeführte Beobachtung der 
Atrophie der schwellbaren Gebilde bei Vögeln scheint so erklärt 
werden zu müssen. Die regelrechte Ernährung derselben ist ange¬ 
wiesen auf die von Zeit zu Zeit eintretende Erregung der vasodila- 
tatorischen Nerven; sind dieselben vom Centralorgan getrennt, dann 
tritt eine Störung in der normalen Ernährung ein, die sich in diesem 
Falle wahrscheinlich auf die Gefässwandungen selbst erstreckt. 
Während also, unserer Meinung nach, haltbare Gründe nicht 
vorliegen, die Wirkung der vasomotorischen Nerven auf einfache 
atrophische oder hypertrophische Processe zu läugnen, so ist die 
Frage, inwieweit der Wegfall der vasomotorischen Innervationen 
anderweitige (entzündliche und exsudative) Processe hervorrufen kann, 
schwierig zu beantworten. Nach den vielfachen Erfahrungen der 
neueren Zeit scheint die Ansicht, nach welcher die Lähmung vaso¬ 
constrictorischer Bahnen einen geringeren Widerstand gegen trau¬ 
matische Entzündungsreize bedingen soll, kaum mehr haltbar zu sein. 
Dahingegen hat es von vornherein einige Wahrscheinlichkeit für sich,
        

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