Bauhaus-Universität Weimar

Einfluss der Vertrocknung und Quellung. Indifferente Flüssigkeiten. 99 
Schiff 1 hatte die Ansicht ausgesprochen, dass der Nerv nicht 
durch den Zustand verminderten Wassergehalts, sondern durch die 
Verminderung.selbst erregt wird, und zwar um so stärker, je schneller 
letztere erfolgt; gegen diese Ansicht, welche dem electrischen Er¬ 
regungsgesetz sich anzuschliessen sucht, würde indess die eben er¬ 
wähnte Wirkungslosigkeit sehr schneller Vertrocknung sprechen, falls 
sie einwandfrei dargestellt werden kann. 
Die Quellung des Nerven, in Wasser1 2 oder höchst verdünnten 
Salzlösungen, setzt die Erregbarkeit langsam bis zur Vernichtung 
herab, wie Kölliker und Birkner beobachteten (letzterer fand, dass 
der Wassergehalt der Froschnerven durch Quellung von 76,3 auf 
93,2, derjenige menschlicher Nerven von 67,9 auf 79,2 % zunehmen 
kann; J. Ranke giebt für Froschnerven die Zahlen 75 und 91%; 
die Erregbarkeit schwindet nach ihm bei einem Gehalt von 85—89%). 
Erregend wi;*kt das destillirte Wasser nicht, was gegenüber dem Ver¬ 
halten des Muskels bemerkenswert!! ist. Nach Ranke3 geht auch 
bei der Quellung dem Absterben eine Erhöhung der Erregbarkeit 
voran. 
Indifferente Flüssigkeiten, d. h. solche, in welchen der Nerv 
lange Zeit ohne Schädigung verweilen kann, müssen also, ähnlich 
wie für den Muskel, vor Allem von der Art sein, dass der Nerv in 
ihnen weder merklich Wasser verliert, noch merklich Wasser an¬ 
zieht. Kölliker fand als solche die seitdem allgemein benutzte 
12 procentige Kochsalzlösung (Harless giebt als indifferente Flüssig¬ 
keit eine Kochsalzlösung von 1002,54 spec. Gew. an), oder eine 1- 
bis 3 procentige Glaubersalz- oder Natriumphosphatlösung. Harless 
stellte auch aus Gummi und Zucker indifferente Lösungen her, und 
dass die den Nerven im Organismus umgebenden und durchtränken¬ 
den Flüssigkeiten die vollkommensten in dieser Hinsicht sind, be¬ 
darf kaum der Erwähnung. 
Natürlich sind auch solche Flüssigkeiten indifferent, welche mit dem 
Nerven weder in difiusorische noch in chemische Wechselwirkung treten 
können, wie reines Oel, Quecksilber. Aetherische Oele und Schwefel¬ 
kohlenstoff vernichten nach Eckhard den Nerven in 8—10 Minuten (s. 
unten). Eckhard hatte übrigens, wie schon vor ihm Valentin, das de¬ 
stillirte Wasser zu den für den Nerven indifferenten Substanzen gezählt. 
1 Schipp, Lehrbuch der Muskel- und Nervenphysiologie S. 101. Lahr 1858 
— 59. 
2 Ueber die Zunahme des Querschnitts und des spec. Leitungswiderstands bei 
der Quellung hat Harless umständliche Versuche angestellt; Gelehrte Anzeigen d. 
bayr. Acad. XLVII. S. 577. 1858; Abhandl. d. bayr. Acad. VIII. S. 362. 1858; IX. 
S. 1. 1861. 
3 J. Ranke, Die Lebensbedingungen der Nerven S. 48. Leipzig 1868.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.