Bauhaus-Universität Weimar

108 Hermann, Allg. Nervenphysiologie. 2. Cap. Die Erregung des Nerven. 
strömen auch unipolare Wirkungen schwer auszuschliessen sind. Fick 
hat jedoch die Thatsache mit Vermeidung aller Versuchsfehler con- 
statirt und eine sogleich anzuführende Erklärung derselben gegeben, 
welche sie, allerdings in andrer Weise als die Gegner meinten, auf 
Superposition zweier Reize zurückführt.1 Eine zweite merkwürdige 
Beobachtung von Fick ist, dass bei der Steigerung der Intensität von 
aufsteigenden kurzdauernden und Inductionsströmen unter gewissen 
Umständen nach Erreichung des ersten Maximums die Zuckungen 
wieder abnehmen und ganz ausfallen können, um bei weiterer Reiz¬ 
verstärkung wieder aufzutreten und das zweite Maximum zu erreichen. 
Diese in Fig. 13 bei L sichtbare „Lücke“ in der Reihe der Zuckungen 
(welche auch auftritt, wenn bei constan- 
ter Intensität die Dauer des Stromes ver- 
grössert wird, vgl. indess König-, a. a. 0. 
und oben S. 84 f.) erklärt Fick2 aus den 
Leitungswiderständen in der anelectro- 
tonisirten Nervenstrecke, welche die Er- 
Fig. 13. Bereich wirkungsloser Induc- . i ; • -i i • i 
tionsstärken („Lücke“ L) nach Fick : die regung zu passiren hat; indem diese nach 
Zahlen bedeuten Rollenabstände in cm. -, ™ , -i t -n 
anderem Gesetze wachsen als die Erre¬ 
gung an der Cathode, können sie bei gewissen Intensitäten des Stromes 
die Welle vom Muskel abhalten, während sie sie bei geringeren und 
bei stärkeren hindurchlassen. Bei den stärksten Strömen komme 
dann das Verschwinden dieses Anelectrotonus als zweiter Reiz hinzu, 
der mit der in ihrer Fortleitung verzögerten Anfangserregung sich zu 
einer übermaximalen Zuckung summirt; letzteres komme auch bei 
absteigenden Inductionsströmen zu Stande, wo die Anfangserregung 
stets unverzögert zum Muskel gelangt, die Enderregung aber, welche 
die in negativer Modification begriffene catelectrotonisirte Nerven¬ 
strecke zu passiren hat, hinlänglich verzögert werden kann, um sich 
auf jene zu superponiren. Die Thatsache der „Lücke“ ist von La- 
mansky (a. a. 0.) und von Tiegel3 bestätigt worden; letzterer, wel- 
1 Ygl. über die übermaximalen Zuckungen Fick, a. a. 0., und Vierteljahrsschr. 
d. naturf. Ges. zu Zürich 1866. S. 48; Lamansky, Centralbl. f. d. med. Wiss. 1867. 
S. 577, 1869. S. 17, 241, 804; Studien d. physiol. Instit. zu Breslau IY. S. 146. Leip¬ 
zig 1868; A. B. Meyer, Beiträge zur Lehre von der electrischen Nervenreizung. Zü¬ 
rich 1867 ; Centralbl. f. d. med. Wiss. 1868. S. 721, 1869. S. 161 ; Untersuchungen aus 
dem physiol. Labor, d. Zürcher Hochschule S. 36. Wien 1869; J. J. Müller, ebenda¬ 
selbst S. 98 (vgl. unten4. Cap. IY. 1.); Fick, Centralbl. f. d. med.Wiss. 1869. S. 611 ; 
Studien über electrische Nervenreizung. Gratul.-Schrift für E. H. Weber. Würzburg 
1871; Würzburger Yerhandl. N. F. II. S. 145. 1871; König, Sitzungsber. d. Wiener 
Acad. 2. Abth. LXII. Sep.-Abdr. 1870. 
2 Die Literatur dieser Erscheinung ist identisch mit der eben angeführten der 
übermaximalen Zuckungen ; vgl. auch Tiegel, unten. 
3 Tiegel, Ber. d. sächs. Acad. 1875. S. 81 ; Arch. f. d. ges. Physiol. NHL S. 272. 
1876.
        

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