Bauhaus-Universität Weimar

316 Fick, Spec. Bewegungslehre. 7. Cap. Bestimmung der Muskelspannungen etc. 
Spannungen vollständig bestimmt. Diese Annahme führt aber, wie 
neuerdings Fuchs in einer sehr scharfsinnigen Kritik gezeigt hat, zu 
entschieden unzulässigen Folgerungen, so dass sie durch eine andere 
ersetzt werden muss, wenn man das an sich kaum bezweifelbare 
Princip der kleinsten Anstrengung aufrecht erhalten will. Der Ge¬ 
dankengang der Abhandlung von Fuchs führt auf so grundlegende 
Gesichtspunkte, dass er hier in seinen wesentlichen Zügen wieder¬ 
gegeben werden soll. 
Die Annahme, das Gefühl der kleinsten Anstrengung entspreche 
einem Minimum der Spannungssumme, mit welcher das verlangte 
Moment hervorgebracht werden kann, eignet sich nicht zu einem 
konstitutiven Principe der Muskelstatik, weil erstens bei dem ein¬ 
fachsten Probleme die Frage nach der kleinsten Spannungssumme 
gar nicht gestellt werden kann. Man denke sich nämlich am Gelenke 
nur einen Muskel aus lauter gleich langen und parallelen Fasern an¬ 
gebracht. Soll hier ein bestimmtes Moment M erzielt werden, so 
muss die Summe der Spannungen der einzelnen Fasern einen be¬ 
stimmten Werth R haben, so dass eben die Frage nach einem Mi¬ 
nimum dieser Summe keinen Sinn hat. 
Denken wir uns zweitens einen einzigen fächerförmig (der Ein¬ 
fachheit wegen in einer Ebene) ausgebreiteten Muskel. Ein bestimm¬ 
tes Moment (dessen Halbaxe natürlich auf der Verbindungslinie des 
Drehpunktes mit dem Muskelansatzpunkte senkrecht stehen muss) 
verlangt hier wieder eine bestimmte Resultirende der Spannungen 
der einzelnen Fasern. Die Richtung der Resultirenden müsste die 
Durchschnittslinie der Ebene des Muskels mit derjenigen Ebene sein, 
welche durch den Ansatzpunkt des Muskels zur Momentaxe gelegt 
werden kann. Nun würde offenbar, wie die Anschauung ohne Wei¬ 
teres lehrt, die erforderliche Resultirende dann mit der 'geringsten 
Spannungssumme erzielt werden, wenn sich nur diejenige Faser des 
Muskels und zwar mit dem ganzen Betrage der Resultirenden spannte, 
welche in die Richtung der Resultirenden fällt, während die Span¬ 
nungen der sämmtlichen übrigen Fasern gleich Null bliebe. Oder, 
wenn man nicht in jeder zwischen den beiden Grenzfasern einge¬ 
schlossenen Richtung des fächerförmigen Muskels eine Faser anneh¬ 
men wollte, würde die erforderliche Resultirende dadurch mit der 
geringsten Spannungssumme hervorgebracht werden, dass ausschliess¬ 
lich diejenigen beiden Fasern gespannt würden, welche mit der Rich¬ 
tung der Resultirenden die kleinsten Winkel einschliessen und dass 
wiederum die sämmtlichen übrigen Fasern ganz ungespannt blieben. 
Dass diese Folgerung ungereimt ist, leuchtet ein. Es werden sich
        

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