Bauhaus-Universität Weimar

286 Fick, Spec. Bewegungslehre. 5. Cap. Die Arbeit d. Muskelkräfte an d. Gelenken. 
ein ganz kleiner Brucktheil der Arbeit der Schenkelstrecker auf ihre 
Ausdehnung verwandt werden und sie könnten dann mit um so viel 
grösserer Kraft hernach im zweiten Stadium bei Streckung des 
Sprunggelenkes mitwirken. Ihr grosses Moment am Kniegelenk 
würde in diesem Stadium der Bewegung nicht einmal mehr den 
Schenkelstreckern zur Last fallen, sondern durch die Schwere auf¬ 
gewogen werden, da zu dieser Zeit der Schwerpunkt des Körpers 
schon vor die Kniegelenkaxe fällt. 
So beginnt man z. B. auch einen Steinwurf mit pronirtem Vor¬ 
derarm. Dadurch wird nämlich der Biceps mehr ausgedehnt und 
kann also energischer bei der Adduktion des Humerus mitwirken. 
Die zweigelenkigen Muskeln haben aber auch eine zweckmässige 
Verwendung — was auf den ersten Blick als eine Paradoxie er¬ 
scheint — bei solchen Bewegungen, wo das eine Gelenk im Sinne 
einer Zusammenziehung, das andere im Sinne einer Ausdehnung 
derselben gedreht wird. Wenn dabei die Längenänderungen in ent¬ 
gegengesetztem Sinne durch die beiden Gelenkdrehungen gleich viel 
betragen, so leistet der zweigelenkige Muskel keine Arbeit, sondern 
wirkt wie ein rein physikalisch elastischer Strang. Diese Wirkung 
besteht nämlich darin, dass ein Theil der Arbeit, welche gewisse, 
bloss das eine Gelenk überspringende Muskeln leisten, durch die 
Spannung des Stranges auf das andere Gelenk übertragen wird. Es 
könnte nun vom teleologischen Standpunkt scheinen, als Hesse sich 
in dieser Funktion der zweigelenkige Muskel durch einen blossen 
biegsamen und möglichst wenig dehnbaren Faden — etwa einen 
Sehnenstrang — mit Vorth eil ersetzen, da ein solcher jeden erforder¬ 
lichen Spannungsgrad durch geringfügige Dehnung gleichsam von 
selbst annimmt und behauptet, ohne dass ein Verbrauch von Brenn¬ 
material zur Erhaltung der bestimmten Spannung wie beim Muskel 
erforderlich ist. In der That wäre auch unzweifelhaft die Verwen¬ 
dung eines bloss physikalisch elastischen Stranges zweckmässig, 
wenn es sich um einen Mechanismus handelte, bei dessen Gebrauch 
mit einer gewissen Stellung des einen Gelenkes immer dieselbe 
Stellung des andern verknüpft sein dürfte. Ein solcher elastischer 
Strang von grossem Elasticitätsmodulus nämlich lässt bei einer ge¬ 
wissen Stellung des einen Gelenkes nur gewisse Stellungen des an¬ 
dern zu, die eben keine merkliche Dehnung des Stranges verlangen. 
Solche Einrichtungen sind (wenn ich nicht irre) in den Extremitäten 
der Vögel, wo es es auf eine ganz einseitige Leistung abgesehen ist, 
vielfach verwirklicht. Soll aber der Mechanismus eines vielseitigeren 
Gebrauches fähig sein, so kann der Erfolg einer Uebertragung der
        

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