Bauhaus-Universität Weimar

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Fick, Spec. Bewegungslehre. Einleitung. 
freie Hand bezüglich der Auswahl des Stoffes und der Art der Dar¬ 
stellung. Nur die Erörterung gewisser Bewegungsvorgänge pflegt in 
den Darstellungen der gesammten Physiologie nie zu fehlen. Mehrere 
derselben aber, wie die Bewegungen des Brustkorbes und des Aug¬ 
apfels, werden regelmässig bei der Funktion der Organe behandelt, 
welcher sie dienen. Der speciellen Bewegungslehre fällt daher nur 
die Beschreibung der Locomotion durch die Extremitäten und die 
Stimmbildung durch Kehlkopf und Mund zu. Diese beiden Abschnitte 
dürfen daher auch in diesem Handbuche nicht vermisst werden. 
Ihnen schicke ich voraus eine Erörterung der allgemeinen Grund¬ 
sätze, wonach die Arbeit' der Muskelkräfte an den Gelenkmechanis¬ 
men zu beurtheilen ist. Ich werde mich dabei jedoch nicht an die 
Darstellung anderer Autoren halten. 
Aus der Literatur über die specielle Bewegungslehre ragen zwei 
monumentale Werke hervor: Borelli’s grundlegendes Werk „De motu 
animalium “ und „ Die Mechanik der Gehwerkzeuge “ von den Gebrüdern 
Weber. Ihnen schliesst sich aus neuerer Zeit noch an: Duchenne’s 
„Physiologie des mouvements“, ein Werk, das zwar mit den beiden 
genannten an bahnbrechendem Gedankeninhalt nicht zu vergleichen ist, 
dem aber die Gründlichkeit der Untersuchung und Vollständigkeit der 
Darstellung einen Platz unter den klassischen Werken dieses Gebietes 
sichert. Gleichwohl dürfte es heutzutage nicht geeignet sein, sich 
in der Darstellung der allgemeinen Grundsätze diesen Werken un¬ 
mittelbar anzuschliessen. Was Borelli betrifft, so kann von einem 
engeren Anschlüsse schon darum nicht die Bede sein, weil zu seiner 
Zeit die Principien der Mechanik noch so wenig entwickelt waren, 
dass er viele Sätze der Muskelmechanik nur sehr schwerfällig dar¬ 
stellen und beweisen konnte, die man mit den gegenwärtigen Hülfs- 
mitteln spielend beweist. In den andern genannten und manchen 
unerwähnt gebliebenen Schriften, wo es mehr auf Detailuntersuchung 
abgesehen ist, sind zwischen ihnen die allgemeinen Grundsätze theils 
versteckt, theils nur stillschweigend vorausgesetzt. Ich habe es da¬ 
her vorgezogen, diese allgemeinen Grundsätze als unmittelbare Fol¬ 
gerungen der allgemeinsten mechanischen Principien hinzustellen. 
Von den Anwendungen auf einzelne Probleme, wie sie sich zahlreich 
in den schönen neueren Arbeiten von Aeby, Albert, Haughton, 
Henke, Langer, Meyer und Anderen finden, habe ich im Ganzen 
abgesehen. Nur einige wenige besondere Anwendungen habe ich als 
erläuternde Beispiele aufgenommen, und zwar nur solche, die wegen 
ihrer präcisen numerischen Form kurz tabellarisch gegeben werden 
konnten.
        

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