Bauhaus-Universität Weimar

346 Engelmann, Protoplasma- u. Flimmerbewegung. 1. Cap. Die Protoplasmabew. 
Kühne* 1 naher erwiesen und durch dieselben Forscher, sowie durch Nae- 
geli, Brücke, Heidenhain, Cienkowsky, Hofmeister u. a. überhaupt die 
nähere Kenntniss der Bewegung und ihrer Bedingungen aufs Manniclifachste 
gefördert worden. Auf die Wanderungen amöboider Zellen in thierischen 
Geweben ward durch von Recklinghausen2 (1863) die allgemeine Auf¬ 
merksamkeit gelenkt, und durch denselben Forscher, wie durch Stricker, 
Cohnheim u. a. die Bedeutung dieser Wanderungen für viele physiologische 
und pathologische Vorgänge im thierischen Organismus dargethan. 
II. Physikalische und chemische Eigenschaften des 
contraktilen Protoplasma. 
Dasselbe erscheint optisch als eine homogene, durchsichtige, fast 
immer farblose Masse, welche das Licht stärker als Wasser, schwä¬ 
cher als Oel bricht. In einigen Fällen, in denen es in Form von 
dickeren Fasern oder hautartigen Schichten mit einer vorherrschen¬ 
den Bewegungsrichtung auftritt (Pseudopodien von Actinosphaerium 
Eichhorni, cortikales Protoplasma von Stentob) wurde es deutlich 
doppelbrechend gefunden und zwar in Uebereinstimmung mit Mus¬ 
keln und Flimmerhaaren positiv einaxig, die optische Axe mit der 
Bewegungsrichtung zusammenfallend.3 
Verschiedene Partien der nämlichen Protoplasmamassen können 
verschiedenes Brechungsvermögen haben. Bei nackten amöboiden Pro- 
toplasmen sind meist die oberflächlichen Lagen stärker brechend als 
die inneren; in den Pseudopodien von Actinosphaerium und vieler 
Rhizopoden unterscheidet man eine stark lichtbrechende Axen- 
schicht. Während der Bewegungen ändert sich häufig das Licht¬ 
brechungsvermögen der nämlichen Partie innerhalb ziemlich weiter 
Grenzen. 
Die mechanischen Eigenschaften erscheinen gewöhnlich als die 
einer mehr oder minder zähflüssigen, mit Wasser nicht mischbaren, 
quellungsfähigen Substanz: mässige Cohäsion, grosse Dehnbarkeit, 
bei sehr geringer und ziemlich unvollkommener Elasticitât, Streben 
Tropfenform anzunehmen. Sie variiren übrigens sowohl für verschie¬ 
dene Arten wie für verschiedene Stellen des nämlichen Protoplasma 
und ändern sich häufig in kurzer Zeit an der nämlichen Stelle. Bei 
Sarkodekörper der Rhizopoden. Ztschr. f. wissensch. Zool. XV. S. 342. 1865 und viele 
andere Arbeiten besonders in der Jenaischen Zeitschrift. 
1 W. Kühne , Untersuchungen über das Protoplasma und die Contraktilität. 
Leipzig 1864; s. auch Arch. f. Anat. u. Physiol. 1859. S. 564 u. 748. 
2 F. von Recklinghausen, Ueber Eiter- und Bindegewebskörperchen. Arch. f. 
pathol. Anat. XXVIII. S. 157 f. Taf. II. 1863. 
3 Arch. f. d. ges. Physiol. XL S. 449 u. 454 f. 1875.
        

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