Bauhaus-Universität Weimar

Zur Geschichte. 
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Corti’s1 bekannte Entdeckung der Rotation des „Zellsaftes“ bei Characeen. 
Die weite Verbreitung des Phänomens in Pflanzenzellen wurde dann na¬ 
mentlich im ersten Drittel des Jahrhunderts durch die Beobachtungen von 
Meyen (Vallisneria, Hydrocharis, 1827), Rob. Brown (Staubfadenhaare von 
Tradescantia 1831), Amici und anderen nachgewiesen. Von höchster Be¬ 
deutung war Dujardin’s2 3 Entdeckung des Vorkommens einer ungeformten 
contraktilen Leibessubstanz bei vielen niederen Thieren (Rhizopoden, In¬ 
fusorien, Polypen u. a.). Seine Beschreibungen dieser von ihm Sarkode 
genannten Substanz und ihrer Bewegungen sind noch heute im Wesent¬ 
lichen zutreffend. Er sah zuerst die Körnchenströmung an den Pseudo¬ 
podien der Rhizopoden. Bald fand man auch an Zellen höherer Thiere 
Bewegungserscheinungen, welche denen der Sarkode auffällig glichen (Li- 
max-Eier, Dujardin 1837, Planarien-Eier v. Siebold 1841, farblose Blut¬ 
körperchen, Wharton Jones 1846 u. a.). Ecker 3 wies (1849) auf die 
Zusammengehörigkeit der verschiedenen „ geformten“ (Muskeln, Flimmer¬ 
haare) und „ungeformten“ contraktilen Substanzen der Thiere, und ein 
Jahr später (1850) sprach Ferd. Cohn4 aus und belegte mit guten 
Gründen, dass die aktiv bewegliche Substanz in den Pflanzenzellen, die 
man seit H. von Mohl5 6 (1846) als Protoplasma vom „Zellsaft“ unter¬ 
schied „ und die contraktile Substanz und Sarkode der Zoologen wo nicht 
identisch so doch in hohem Grade analoge Bildungen sein müssen. “ Dass 
es nicht, wie man bis dahin unter dem Einfluss der älteren Zellentheorie 
meinte, die Zellmembran sei, die die Contraktionen thierischer Zellen ver¬ 
mittele, sondern der sogenannte Zellinhalt, wurde von Donders 6 hervor¬ 
gehoben. Die wesentliche Identität thierischer und pflanzlicher Proto¬ 
plasmabewegung ist seitdem durch die morphologischen und physiologi¬ 
schen Untersuchungen von Max Schultze7, Unger8, de Bary9, Haeckel10, 
1 B. Corti, Osservazioni microsc. sulla Tremella e sulla circolazione del fluido 
in una pianta acquajola. Lucca 1774. 
2 Dujardin, Observ.nouv. sur les Céphalopodes microscop. Bull, de la Soc. des 
Sc. natur. de France. No. 3. 1835; Ann. des Sc. natur. III. 2. Sér. p. 312. 1835; Ibid. 
IV.p. 343. 1835(Sarcode). 
3 Alex. Ecker, Zur Lehre vom Bau und Leben der contraktilen Substanz der 
niedersten Thiere. Ztschr. f. wissensch. Zool. I. S. 218—249.1849. 
4 F. Cohn, Nachträge zur Naturgeschichte des Protococcus pluvialis. Nova Acta 
Acad. Leop. Caes. etc. XXII. 2. S. 605. 1850. 
5 H. von Mohl, Ueber die Saftbewegung im Innern der Zelle. Bot. Zeitung S. 73 
1846. 
6 F. C. Donders, Form, Mischung und Funktion der elementaren Gewebstheile 
im Zusammenhang mit ihrer Genese betrachtet. Ztschr. f. wissensch. Zool. IV. S. 249. 
1852. (Uebersetzt a. d. Nederl. Lancet. Derde Ser. I. S. 84 f. 1851—52.) 
7 Max Schultze, Ueber den Organismus derPolythalamien. Leipzig 1854. Ueber 
innere Bewegungserscheinungen bei Diatomeen. Arch. f. Anat. u. Physiol. 1858. S. 330. 
Ueber Muskelkörperchen und das was man eine Zelle zu nennen habe. Arch. f. Anat. 
u. Physiol. 1861. S. 1. (Von diesem Artikel her schreibt sich die Uebertragung des 
Terms Protoplasma auf den „Inhalt“ der thieri sehen Zellen.) — Das Protoplasma 
der Rhizopoden und der Pflanzenzellen. Leipzig 1863. 
8 F. Unger, Anatomie und Physiologie der Pflanzen S. 273—284. Pesth, Wienu. 
Leipzig 1855. 
9 A. de Bary, Die Mycetozoen. Ztschr. f. wissensch. Zool. X. S. 88—175 (beson¬ 
ders S. 121 f.) 1859. Taf. VI—X. — Die 2. vielfach vermehrte Auflage separat unter 
dem Titel: Die Mycetozoen (Schleimpilze). Leipzig 1864. 
10 E. H. Haeckel, Die Radiolarien. Berlin 1862 (besonders S. 89f.). Ueber den
        

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