Bauhaus-Universität Weimar

WEBEn’sche Theorie. Dehnungscurve des thätigen Muskels. 
69 
Umschreibung des Sachverhalts.1 Unrichtig aber ist es, oder wenig¬ 
stens eine Hypothese, die der Prüfung dringend bedarf, wenn man 
diese Betrachtung auch auf die Wurfhöhen anwenden will, und 
wenn man den eigentlichen Verkürzungsvorgang mit einer blossen 
elastischen Bewegung identificirt. Ersteres wird man ohne Weiteres 
als unberechtigt anerkennen, letzteres aber würde offenbar nur dann 
richtig sein, wenn die verkürzte Form schon vor dem Beginn der 
Verkürzung die natürliche Form des Muskels wäre, so dass er 
schon im Beginn der Zuckung um den vollen Betrag der Hubhöhe 
von seiner Gleichgewichtslage entfernt wäre, dieselbe also lediglich 
mit elastischen Kräften einzunehmen hätte. Wir wissen aber im 
Gegentheil aus der HELMHOLTz’schen Untersuchung, dass die Ver¬ 
kürzungskraft, also die Tendenz zu einer neuen natürlichen Form, 
sich erst allmählich entwickelt, wie denn auch die Zuckungscurve 
von der Curve elastischer Bewegung, mit der sich eine gespannte 
und losgelassene Feder verkürzt, um so verschiedener ist, je mehr 
man, etwa nach den Methoden von Marey und Fick (s. oben S. 34, 
37), alles Schleudern ausschliesst.2 
Wenn nun mit der eben angegebenen Beschränkung die Weber- 
sehe Theorie festgehalten wird, so kommt für die Beziehung zwischen 
Last und Zughöhe offenbar Alles auf die Dehnungscurve des thätigen 
Muskels an. Dieselbe kann am bequemsten aus Versuchen der eben 
erwähnten Art entnommen werden, und dies ist in der That die haupt¬ 
sächlichste Methode Weber’s gewesen. Das scheinbar directeste Ver¬ 
fahren, am beständig tetanisirten Muskel Dehnungsversuche mit ver¬ 
schiedenen Belastungen anzustellen, ist unausführbar, weil ein gleich- 
mässiger Tetanus von so langer Dauer unmöglich ist. Bei dem 
erwähnten Verfahren wird die Dauer der erforderlichen Tetanisirungen 
auf ein Minimum beschränkt, besonders wenn man die Zughöhen 
graphisch bestimmt. Trotzdem muss der unvermeidliche Fehler, den 
die Ermüdung bewirkt, eliminirt werden, wozu Weber und alle seine 
Nachfolger das zuerst von Schwann angewandte Verfahren des rück¬ 
gängigen Versuchs und der Mittel aus den correspondirenden Versuchs¬ 
paaren (s. oben S. 66) benutzten. Aber schon beim einzelnen Tetanus 
wird eine constante Zughöhe selbst in den ersten Augenblicken fast 
nie erreicht. 
Weber berechnete die Dehnbarkeit des Muskels auf folgende 
1 Nur in diesem Sinne ist überhaupt die Theorie aufgestellt worden. Alle Ver¬ 
suche Weber’s sind am tetanisirten Muskel angestellt, wie überhaupt sein Verfahren 
nur Zughöhen, und nicht Wurfhöhen zu messen gestattete. 
2 Vgl. hierzu auch die Versuche von Harless, Abhandl. d. bayr. Acad. IN. 
S. 353. 1862; Klünder, cit. S. 36.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.